Je mehr einer wahrhaft zu besitzen glaubt, auf desto mehr darf er verzichten und den Verlust, sollte er ihn dennoch schmerzen, verlachen. So spotten ihrer selber humorige Adlige, die im Laufe der Zeit alles Reale ihres Standes verloren — bis auf das Bewußtsein ihres Alters, ihrer Würde. Aber der immer beschäftigte, an alles gebundene, unfreie, begehrliche, immer strebende Geistesdemokrat gelangte nicht zum Humor, weil nie zum Verzicht.

Der Demokrat Freiligrath begriff nicht die Inkongruenz seines bärtig deutschen Wesens mit seiner Löwenrittsphantasie, die uns heute so lächerlich vorkommt. Andrerseits sah der Revolutionär Friedrich Reuter sich genötigt, die Tragik seines Lebens in humoristischen Fabeln und Figuren zu gestalten — mit Hülfe der Bauernsprache.

Wenn gar nichts andres, so macht der Humor zum Herrn der Lage.

Ein Lord in einer adligen Tischgesellschaft bekam einen zu heißen Bissen in den Mund und sagte, genötigt, ihn auf den Teller zurück zu speien, zu den entsetzten Umsitzenden mit vollkommener Seelenruhe: „A fool, who would swallowed it.“ Herr der Lage.

Um näher auf das Wesen des Humors eingehen zu können, wäre zuvörderst eine Entwickelung des Wesens von Tragik vonnöten, die nicht gegeben werden kann. Soviel sei gesagt:

Humoristen in diesem, im tragischen Sinne gab es: Jean Paul, Dickens, Wilhelm Raabe, Thackeray, Gottfried Keller, Wilhelm Busch, Christian Morgenstern, Sterne.

Humor ist eine germanische Angelegenheit.

Auch Tragik ist — seit den Griechen — eine germanische Angelegenheit.

Die Welt ist nunmehr eine germanische Angelegenheit.

Schluß!