Sechstes Kapitel: Januar
Zwiegespräche:
Das eine.
Georg lag, im verbundenen, wunden Kopf einen ganzen Pechkessel voller Lohe, auf seinem, schräg ins Zimmer gestellten Diwan. Aus dem brodelnden Pech spritzten und fielen des öfteren brennende Tropfen in sein Gewissen, wo sie dann abscheuliche Verheerungen anrichteten, — ohne sein Verschulden, wie er schwermütig festhielt, denn so schlapp meinte er eigentlich nicht zu sein, daß er sich von Verzweiflung über seine verkehrte Lebensart einschlucken ließ in einer Stunde leiblicher Peinigung, und so mühte er sich ab, irgendwo in seinem Innern eine Stelle leer zu halten, allwo er selber lag und sich nichts anfechten ließ.
Aber wäre nur nicht das schändliche Glockenläuten gewesen! Dieses immerwährende, weit ferne musikalische Rumoren in der Stille des Sonntagnachmittags — wo nur einmal eine unbekannte Türe ging, ein Schleifen von Schritten unter den Fenstern vorüber —, es bohrte — wie ein Zahnschmerz — nun grade in dieser letzten, leer gehaltenen Stelle herum, und aber und abermal mußte er die Augen öffnen, um durch schmerzliche Lider einen durchbohrenden Blick oben ins kalte Grau der Fensterhelle zu heften, als müßte er sie dort hängen sehn können und ihnen zudrohen, diesen Glocken im öden Winterhimmel. Derweil verdunkelte es sich allgemach im Zimmer, die Möbel wurden mit den Wänden zu schweren, finstren Massen, dumpf und weich erschütterten Schritte über ihm die Zimmerdecke, — es war trostlos zum Sterben.
Hamburg, du schöne Stadt,
Eh tu mon dieu, mon dieu!
Hätt ich dich —
O vermaledeit, nun auch diese plärrende Melodie noch! Weg damit! Weg da —
— nimmer doch gesehn,
Dann wär mein — — Beutel noch nicht leer!