Das klang ganz liebenswürdig, er lächelte auch, und Georg lachte, aber unaufrichtig. Was war das für eine sonderbare Mahnung zur Höflichkeit?
Sie schwiegen. Riesa begann, die Hände mit fest angedrückten Ellbogen in den Jackentaschen, hin und her zu gehn, und Georg folgte mit dumpfen Augen den grauen Gamaschen hin ins Dunkel der andern Zimmerhälfte. Hörbar ward wieder das unwandelbar eintönige, ferne Geläut. Dann plötzlich Riesas Stimme:
„Übrigens ... grade heraus, mein Lieber: ich wäre zwar aus eigenem Antrieb zu dir gekommen, leider kann ich dir aber nicht verhehlen, daß auch noch ein andrer vorliegt.“
Da er verstummte, mußte Georg „Nun?“ fragen, beklommen, nach einer Weile.
„Nämlich aus dem des Korps“, sagte Riesa kurz, lüpfte den Zipfel seines Tuches aus der Tasche, so weit, daß er ihn an den Mund drücken konnte, hüstelte hinein, stopfte ihn wieder zurück.
Georg richtete sich aus der halb liegenden Stellung auf. „Habe ich mir irgend etwas ...“
„Zuschulden kommen lassen?“ Riesa blickte mit schief gehaltenem Kopf, die Achseln schmal anhebend, die Ellbogen abspreizend, gegen den Teppich. „Realiter nicht, lieber Georg, a—ber ... man ist des ungeachtet und trotz der so befriedigend verlaufenen ersten Mensur nicht völlig zufrieden mit dir.“
Also haben sies doch gemerkt, dachte Georg, indem er fragte: „Wieso?“
„Du nimmst den Korpsbetrieb nicht ernst.“ — Nein, hole ihn der Teufel, meinte Georg innerlich, er nahm ihn nicht ernst, den Firlefanz. „Habe ich recht, Georg?“ Er machte ein ganz ernstes Gesicht, tadelnd: „Du scheinst dich zu langweilen. Du langweilst dich bei den Mensuren. Du langweilst dich noch mehr im Fuxunterricht. Du singst manchmal nicht mit am Spielabend ...“
Die Zotenlieder! hohnlachte Georg im Herzen.