„Wollen Sie es nicht sagen?“
Sie stand auf. „Aber wie spät ist es denn? Georg, ich muß spätestens um acht in der Schellingstraße sein. Meinen Sie, daß noch Zeit ist? Also hören Sie zu!“
Sie hatte sich drüben im Schatten vor dem Bücherschrank aufgestellt, so daß Georg von ihrem Gesicht nur den Schein sehn konnte. Dann begann ihre unsichere Stimme, die sie möglichst geheimnisvoll zu machen suchte, halblaut und mit pathetischer Eindringlichkeit:
„Wenn abends Heimkehr endlos durch die Gassen geht,
Erhebt ihr euch von eurem täglichen Gerät.
Zwei süße Näherinnen, noch vom Radgesang umspült,
Jetzt wandelt ihr, von Wind und Müdigkeit gekühlt.
Entfacht daheim, ihr Kinder, euren Samowar
Und löst das leichte, luftverspielte Haar ...“
Georg, der das Gedicht kannte, benutzte die Gelegenheit, sich zu sammeln und sich für Minuten ganz der Folter seines Kopfes zu überlassen. Fiebernd, schweißbedeckt am ganzen Leib, hörte er ihre Stimme ferner und ferner verhallen, endlich wieder lauter mit den Schlußzeilen: