Untertänig der Ihre
Georg T.

Wenn Sie sich entschlössen, ein Datum über Ihre Briefe zu malen, wie wäre das?

Cora an Georg

Lieber Georg!

Aber was ist das für eine Art, über mich, die ich wehrlos im Bett liege, mit einem derartigen Feuerbrand von Brief herzufallen! Sind Sie immer so wild? Liebe Durchlauchtigkeit, bedenken Sie, daß ich meinen Bleistiftbrief unter beständiger Bewachung Molles verfaßt habe, die, wie Sie selber wissen, schwerer zu hüten ist als ein Sack Flöhe. Sonst hätten Sie noch länger auf einen Brief warten müssen, und wenn ich Ihnen nicht mein Morgenstündchen opfere, wo ich so liebe, im Wachen zu träumen, ist mein Tag für eingehende Briefe zu unruhig. Heut aber bin ich vor Schrecken gleich aus dem geliebten Bett gesprungen. Aber muß man denn immer so gründlich sein? Sie haben vielleicht kein Verständnis für die gallische — ich sollte sagen: semitische — Leichtigkeit, die ich im Blute habe, dennoch könnte Ihnen eine Spur davon nicht schaden. Müssen Sie immer so teutonisch furieux, so ‚voll und ganz‘ und ‚unentwegt‘ sein? Nehmen Sie mich doch, wie ich bin, leicht, leicht, leicht, immer tanzen, das ist viel schöner, und nach Ihrem Karneval trage ich das heftigste Verlangen! Ihre freundlichen Belehrungen über die Gründe häufigen Verliebtseins und die Erhebung des Gegenstandes derselben zum gelinden Berauschungsmittel — also besserem Fusel — waren mir lehrreich. Ähnliches habe ich als selbstverständliches sousentendu innig in meiner Seele gehegt. Um so weniger dürfen Sie Bedenken hegen, die geheimnisvollen unsichtbaren Schmetterlinge vertrauensvoll auf meine hingehaltene Nadel zu spießen. Ich werde die poetische Freiheit zu würdigen wissen und nie vergessen, daß ich nur das Mittel zum Zweck bin. Faute de mieux on couche avec sa femme heißt ein schönes altes Wort.

Und da haben Sie — zum Köder? — ein Bild von mir. Wie gefällt es Ihnen? Sie wollten zu träumen versuchen. Haben Sie? Was? Ich konnte noch nicht träumen, Herbert ließ mich nicht. Warum Sie traurig sind, möchte ich wirklich wissen, frage mich im Gegenteil, warum Sie nicht himmelhochjauchzend sind. Dies wäre wenigstens schmeichelhaft für Ihre

Cora

Seien Sie lieb und geben Sie mir die Unsichtbaren! Bitte, bitte! Ich weiß keinen Grund, warum Sie sie mir vorenthalten. Ich muß sie haben. Es giebt keinen Grund. Erbarmen Sie sich!

Datum setz ich nur über formelle Briefe, prinzipiell.

Achtes Kapitel: März