„Ich bin hier, Anna, Georg!“

Nun denkt sie freilich, ich habe sie überraschen wollen, dachte er zuckend. Das Buschwerk rauschte auf, teilte sich, Annas Gesicht erschien, er sah ihre Augen, ein wenig zusammengezogen aus Kurzsichtigkeit, er hörte sie atmen, sie schrie leise auf: „Wahrhaftig, Georg!“ und streckte die Hände aus. Rasch wieder loslassend, tastete sie am Zaun, eine Tür ging auf, sie stand atmend vor ihm, er sah ihre lieben, zarten Züge, die Augen, dunkel und groß offen, fühlte die Wärme ihrer Hände, war ganz glücklich. Er schloß aus einer Bewegung ihres Arms, daß sie ihn küssen wollte, und sagte hastig: „Hier ist noch jemand, Anna, erkennst du ihn?“

Da stand Maler Bogner. Sie jauchzte, lief auf ihn zu, packte ihn an den Schultern, wirbelte wieder herum, lief durchs Pförtchen, sich duckend unterm Gezweige, in den Garten, rief: „Renate! Renate! komm mal schnell her! hier ist wer!“ als könnte der Maler gleich wegrennen.

Sekunden später sah Georg sie wieder sich unter dem Strauchwerk bücken, eine weibliche Gestalt an der Hand mit sich ziehend, die sie nun losließ. Ein Frauenarm hob mit schöner Gebärde Zweigbogen empor, ein weißer Schal sank ihr vom Kopf auf die Schultern zurück, ein weißes, schmales Antlitz erschien mit gesenkten Lidern, die Lider hoben sich, und durch Georg, den zwei nächtige Augen anblickten, zuckte ein blendender Schmerz, der ihn erschütterte vom Kopf zu den Füßen, bis er langsam, taumelnd, begriff, daß es eine Seligkeit sein mußte und kein Schmerz.

Garten

Es war nun wie ein Traum oder ein Reigen.

Dunkel wars, wie immer in seinen Träumen, und wie in Träumen vollzog sich alles nur; er war dabei, er tat auch mit, aber es war alles ohne seinen Willen im Gange. Ein Reigen, ja, nach einer unhörbaren, ungeheuren Musik in den Lüften.

Die Fremde stand da, aufrecht. Sein Herz zuckte im Übermaß der Süße hin zu ihr, zu dieser hohen, unbeschreiblich schlanken Gestalt im weit gebreiteten, schwarz glänzenden Kleidrock; zu dieser schmalen Stirne, umrahmt vom Haar, dieser stolzesten Biegung der Nase, — aber sie sah ihn ja gar nicht an, sah vorüber an ihm in das Dunkel. Dort aber stand Bogner, und sie sagte mit einer heiligen Stimme einfach: „Ich bin Renate ...“

Bogner trat herzu, sie streckte den Arm aus; Bogner verneigte sich, faßte ihre Hand, und ihre Stimme machte sich wieder auf, machte die Luft süß um sich her und sagte: „Willkommen, lieber Freund.“

Ah, die Beiden kannten sich! Ja, so war das in Träumen. —