Und dort ganz links, am hohen Pfahl einer von oben hangenden elektrischen Lampe stand dieser Unbekannte mit der Bartfliege, eine Hand hoch über sich gegen den Stamm stützend, die Füße gekreuzt; die andre Hand hielt eine dicke Zigarrenhälfte, und seine Augen waren dunkel, fest und ruhig auf Renates Rücken eingestellt.
Ich bin Renate ... hörte Georg eine singende Stimme durch den Garten verhallen ...
Ja, jetzt sprach sie. Auf einmal zeigte sich ihr Profil, die Linie der Stirn, die stolze Biegung der Nasenspitze, der Mundwinkel, der sich redend bewegte, und die leise auf und nieder gehenden Wimpern des Auges, die in sanftem Wechsel den Blick zu Boden und zu Bogners Zügen emporlenkten. Georg verstand kein Wort, doch war es ein zauberhaftes, unsterbliches Spiel.
„Und Bennos Mama ist nun tot ...“, sagte Annas Stimme.
„Er war wohl sehr traurig?“ fragte Georg. „Ja, nun müssen wir wohl gehn,“ setzte er willenlos hinzu.
Renate und der Maler schritten schon nebeneinander über den Rasen. Ihr Kleid rauschte. Nun waren sie an der Veranda vorüber, da war die Hausecke, daneben ein Dämmergang; in den verschwanden sie. Jetzt war er selber in Bewegung, blieb aber wieder stehen, da jener Montfort seine Haltung löste, reichte ihm die Hand und preßte: „Guten Abend“ zwischen den Zähnen hervor. Anna neben sich begab er sich weiter. Sie kamen in den Gang zwischen Haus und gebüschverdeckter Gartenmauer, und nun wußte Georg, daß er etwas Liebevolles zu sagen habe, murmelte auch etwas derart und legte eine Hand um ihre Schulter.
Sie blieb stehn, sah ihn lange und durchdringend an und sagte: „Bist du’s denn, Georg?“
Er lächelte, verlegen im Innern, und antwortete besinnungslos: „Ja, siehst du nicht, daß ichs bin?“
Plötzlich dicht vor ihm stehend, zog sie sein Gesicht mit beiden Händen zu sich herunter, küßte es heftig, legte die Stirn gegen seine Schulter, atmete tief auf und sagte leise: „Gott sei Dank!“
Danach war sie verschwunden.