In einem dumpfen Gefühl der Wehmut ging Georg weiter den Gang hinab, wo ihm nun auf einem glänzenden Wege von Steinplatten durch einen Vorgarten die Gestalt Renates leis rauschend entgegenkam. Unfern dahinter stand Bogner vor einem hohen Gittertor im grünlichen Licht einer Straßenlaterne.
Noch glaubte Georg, zu Boden sinken zu müssen, auf die Knie, gleichviel was, nur liegen, unten sein, — als sie bereits vor ihm stand, die Hand ausstreckend, die er faßte.
Niemals loslassen! dachte er hülflos und sagte kaum hörbar: „Gute Nacht!“
„Gute Nacht!“ hörte er sagen. Duft entschwebte. Es rauschte. Schritte verhallten leicht, und er war allein.
Landstraße
Jedoch Bogner war noch zugegen. Sie gingen langsam nebeneinander die dunkle Gartenstraße unter Bäumen hinunter, deren zartes, grünes Laubwerk durchsichtig schimmerte im Licht der Laternen. Auch zarte Schatten, fedrige, waren auf den Weg gestreut, und wie zart erst war die Berührung der Luft, die um das Herz strich wie sonst um Stirne nur und Lippen. Allein sein! flehte Georg, oh nur erst allein sein! Die unerhörten Kleinodien, die er davontrug, von ihrer Hülle zu befrein, darüber sich zu werfen mit bloßem Herzen, Gold und Juwelen, Gold und Juwelen! — Er glaubte, jeden Augenblick in Tränen auszubrechen. Vielleicht waren das die Kleinodien, die er trug, nachwachsend noch immer wie ein Frühling, in seiner verwandelten Brust. Da fühlte er einen Tropfen auf der Oberlippe, aber der war kühl. Es regnete leise. Die Nacht, ach, sie hatte es gut, sie löste sich weich in Regen auf. Oder lag dort oben ein selig Weinender auf den Sternenbergen, schluchzend unhörbar durch die geheimnisvolle Nacht, und Wellenfrauen des Windes kamen und trugen seine tränende Glückseligkeit hinunter auf dankbares Land.
Bogner sagte etwas. Ob er es auch gemerkt habe —?
„Was?“ preßte Georg hervor, der kein Wort verstanden hatte.
„Es war etwas nicht in Ordnung in dem Hause.“
So, Bogner hatte es gemerkt. Er konnte etwas bemerken. Ein Stein war Bogner.