Er schien nun bereit, einzuschlafen. Georg aber hielt ihn wach, es vermeidend, Frau Ring anzusehn, zu der Josef, hinter der Tischplatte zusammensinkend, hin und wieder einen ernsten, nicht ungütigen Blick hinüberschickte.

„Warum meinen Sie?“ fragte er. Josef ermunterte sich.

„Es wird am Besitz liegen, denk ich. Oder am Nichtbesitz. Es fehlt die Haltung.“

Georg, innerlich etwas beschämt, zitierte sich selbst:

„Besitz verleiht Sicherheit, meinen Sie, und Sicherheit Haltung ...“

„Ja, gewiß. Sie haben ja alle nur Geld —“

„Den einzigen Nichtbesitz ...“

„— von dem aber alle abhängig sind. Alle sind abhängig, alle Väter. Der Anwalt von den Klienten, der Beamte von den Vorgesetzten, der Kaufmann von der Kundschaft. Nur die Ärzte haben, wohl vom starken Verkehr mit dem Tode, ein wenig Haltung und umgängliches Wesen bekommen. Und der Kaufmann ist immer nur Zwischenhändler, vertreibt Lebensmittel oder Maschinengefertigtes, ohne es handgreiflich besessen, also ohne es be- oder verarbeitet zu haben. Also fehlt Zusammenhang und die Ehrfurcht vor sich selber. Es muß einmal Ideal eines Sohnes gewesen sein, zu werden, innerlich und äußerlich, was sein Vater ist. Heut ist es das Ideal aller Väter, daß ihre Söhne was Besseres werden. Mütter sitzen unselig dazwischen und müssen vermitteln von früh bis spät. Nun, darüber könnte man stundenlang reden.“ Montfort gähnte geheim mit geschlossenem Munde.

Georg sagte leise, während Josefs Freundin aufstand und hinausging:

„Die Frauen sind so viel besser als die Männer ...“