Sie schwiegen. Montfort saß zurückgelehnt in äußerst dekorativer Attitüde, warf aber nun plötzlich den Rest seiner Zigarre in den Aschenbecher, ließ das Gesicht auf sein geleertes Bierglas herabhängen und sagte, unterm Tisch eine Zigarette hervorzaubernd:
„Ahnen Sie wohl, wie recht Sie haben? Frauen sind immer gut. Alle haben sie die Bereitwilligkeit in sich, gut und nur gut zu sein.“ Dies sagte er ernst und mitleidig, lenkte aber nun auflächelnd ab und sagte: „Jetzt sind sie ja nun in diese merkwürdige Behinderung geraten.“
„Ach,“ meinte Georg leichtherzig, „das wird vorübergehn, nicht wahr? Gewisse Verhältnisse, nicht wahr, mehr sozialer als humaner Art, haben sich zu schnell geändert —“
„Und die Frau, meinen Sie, hat es nun einmal an sich, überall zu spät zu kommen ...“
„Natürlich! Und nun stehn sie da ratlos zwischen Altem und Neuem, sehen auf einmal Widerstände überall, übertreiben es alles, wie sie ja immer gern tun, und nun sollen sie ja auch kämpfen, nicht wahr, sie, die bisher immer nur beschwichtigt haben. Da weiß keine, wie man das macht.“
„Die Ritterlichkeit, ja, die einmal zum Kämpfen gehört ... die haben sie immer nur erfahren und niemals selbst angewandt. Sie haben ein gutes Herz, Prinz, woher wissen Sie das alles?“ fragte er plötzlich. „Zur Belohnung,“ fuhr er ernsthaft fort, „sollen Sie einen Spruch geschenkt haben, den besten, den ich weiß.“
„Nun?“ fragte Georg, leise geschmeichelt.
Montfort sah ihn durchdringend an.
„Erhalte dir dein Herz, sagt Salomo, denn aus ihm kommt das Leben.“ Darauf erhob er sich, die Hände vor sich aufstützend, und ging langsam hinaus.
Georg suchte fiebernd nach Renates Augen in seltsam verschleierten Tiefen. Der starke Honigduft in der Büchse seines Herzens war sehr flüchtig geworden. Dann kehrte Frau Ring, leicht auf federnden Füßen, zurück, setzte sich und fragte heiter: „Nun, haben Sie von mir gesprochen?“