Montfort bog sich über den Tisch, sah ihn durchdringend an und sagte, den Traum wollte er ihm auslegen. Ja, er wäre so ein komischer Mensch, hätte Ahnungen und so, — mit einem Wort: Kassandra! —
„Also bitte!“
Er schloß die Augen, bog sich zurück wie ein Scharlatan, stemmte die Hände gegen die Tischplatte, formte das Gesicht zu einer Art tragischen Maske, öffnete pythisch den Mund, plötzlich auch die Augen und verkündete: Jawohl, Georg käme nicht hinein.
„Sie scheinen nicht zufrieden?“ sagte er dann, da Georg unverstehend lächelte. „Dann also weiter. Bitte, erzählen Sie Ihren Traum.“
Er nahm Frithjof, der mit den Gläsern dastand, eines aus der Hand, half die andern über den Tisch verteilen, hieß Frithjof das Kaffeegeschirr seiner Freundin wegräumen, die nichts vor sich behielt als ihre Tulpen, schaffte in jeder Beziehung Ordnung und Raum, — dieweil Georg gestand, wie schon gesagt, sei dies alles, was er wisse: ein Festzug, und Doktor Birnbaum, nein vielmehr Chalybäus, der ihn am Arme festgehalten habe ... Anna im Glassarge glaubte er unterschlagen zu müssen.
„Schadet nichts,“ meinte Josef, „wir müssen uns besinnen. Bitte, hören Sie zu, meine Verehrtesten —“ Er sah, den Maler neben sich am Arm fassend, die Cornelia oder Käthe an, oder wie sie nun hieß — „es wird hochinteressant. Also bitte! Jeder Traum, das ist ein Grundsatz der Deutung, ist mit einem kleinen Haken im vorhergehenden Tage befestigt, — also besinnen Sie sich bitte einmal! Halt, sehen Sie nicht umher, das lenkt ab, sehen Sie mich an, in meine Augen.“
Georg heftete mit innerlicher Verlegenheit die Augen auf das große, bräunlich bleiche und schwarze Gesicht, dann in die glühenden, kleinen, sonderbar weit voneinander sitzenden Augen, die sich zusammenzogen und wieder ausdehnten, als wollten sie seinen Blick wie mit einer Zange fassen, — allein nun kam er nicht los von dem gläsernen Sarge, zumal ja diese Erscheinung sichtlich im Abend vorher ihre Wurzelung hatte.
„Es geschah allerlei an dem Tage,“ sagte er zögernd.
„Keine Umstände,“ befahl Josef, „keine Begrifflichkeiten. Fassen Sie ein Bild und lassen Sie sich getrost weiter und weiter führen, bis ...“
Also half es nichts, er mußte mit dem Sarge herausrücken, nicht ohne peinlich zu argwöhnen, Bogner gegenüber errate sofort, was dies Bild bedeute, und so versuchte er das Gesagte eilig mit etwas andrem zu vertuschen, das ihm einfiel, daß nämlich die Menschen mit Fingern auf ihn deuteten und sagten: Er hats schuld!