Da schien Georg, indem sie eben unter einer Laterne einhergingen, im hellen Licht ihr Auge merkwürdig heiß und glitzernd. Sie zog die Oberlippe in den Mund. — Was hat sie nur? dachte Georg, während ihr Anblick von vorhin, wie sie auf dem Sofa saß und weinte, ihm wieder gegenwärtig wurde, — will er ohne sie gehn? — Die Straße mit fernen Laternen lag wieder dunkel vor ihnen, dahinter der Thielplatz, rötlich leuchtend von Bogenlampen; an der gegenüberliegenden Straßenseite klappten eilige Schritte. Nun ging auch das Mädchen neben ihm schneller, auf einmal in hastiger Rede.

„Oh denken Sie nicht, daß ich das nicht verstehe,“ sagte sie, „ich kenne ihn ja! Wer kennt ihn denn sonst? Was soll er auch hier? Sie wissen vielleicht: die Fabrik geht nicht gut ... ach, das durft ich wohl nicht sagen, aber es weiß ja schließlich jeder.“

Also das war da nicht in Ordnung im Garten, dachte Georg, Bogner hat doch recht gesehn. Das Mädchen fuhr fort:

„Nein, können Sie sich vorstellen, wie er im Kontor sitzt und Zahlen schreibt?“ Sie neigte lachend den Kopf. „Oh er ist ein glänzender Kaufmann, wenn er will, er kann ja jeden um den Finger wickeln. Er hat auch viel mehr Kenntnisse, als Sie vielleicht denken, er spricht eine Unzahl Sprachen, wir waren einmal in Ägypten, und er sprach mit den Suahelis oder wie sie heißen ... ja, was wollt ich sagen? so — und alle Instrumente spielt er, und Theater, ja, was wäre der für ein Schauspieler! Er malt auch sehr schön, er hats nun freilich lange schon gelassen, er hälts ja nirgends aus ...“

Da sie schwieg, fragte Georg nach einer Weile behutsam, wohin er denn nun wolle ...

„Ach, wohin?“ murmelte sie tonlos. „Nach Sibirien oder Mexiko, was weiß ich?“

Also wollte er sie scheinbar nicht mitnehmen. Ach, dachte Georg erschreckt und mitleidig, da haben wir nun alle gesessen und geredet, und sie hat das Herz voll Gram bis zum Rand. Und ich gehe neben ihr und gähne. Die Menschen sind alle Bestien! —

Cornelia verlangsamte ihre Schritte wieder, da sie den Männern vor ihnen nahe gekommen waren. Ein Automobil kreuzte ihren Weg, innen vollgepfropft mit schreienden Kerlen, und verrauschte brüllend. Sie gingen über den Platz und auf den dunklen Tunnel der Eisenbahnüberführung zu, wo schon Josefs und Coras Schritte schallten.

Sie sprach, als spräche sie mit sich selber:

„Halten kann man ihn ja nicht, er ist das freiwilligste Wesen, — ich weiß bloß nicht ...“ Sie verstummte.