„Was wissen Sie nicht?“ fragte Georg behutsam.

Sie weinte. Sie schlug den Mantel auseinander, nahm ihre Handtasche vor, holte ein kleines Taschentuch heraus und trocknete sich hastig die Augen. Danach brachte sie alles wieder in Ordnung, richtete den Kopf auf und schritt aus.

„Ich wollte sagen,“ begann sie wieder, „ich weiß nicht, was aus mir werden soll. Wenn man sein Leben so ganz auf einen Menschen eingerichtet hat ... Oh es geht mir gut, ich hatte immer, was ich mir wünschte, ich kann ja auch überall hin ... Nur ist man heimatlos,“ schloß sie leise.

Georg zermarterte sich den Kopf umsonst nach einem Wort. Ein Mensch wie Montfort paßte freilich schlecht in diese windstille Stadt. Lenau fiel ihm ein, der nach Amerika ging, Kürnbergers Amerikamüder, — aber paßte er nach Amerika?

„Will er nach Amerika vielleicht?“ fragte er schließlich.

„Auch — vielleicht,“ sagte sie. „Er haßt Amerika. Was er am meisten haßt, ist Geld.“ Sie blieb wieder stehn, wandte sich zu Georg und sah ihn mit offenbarem Flehen an.

„Ach, mir ist etwas eingefallen!“ sagte sie, „ich weiß nur nicht ... Es ist vielleicht ganz töricht und — und unbescheiden, ich dachte nur ... ich weiß von Ihrem Vater, dem Herzog, Josef gab mir immer seine Jahresberichte, die er doch selbst schreibt, nicht wahr, und nun dachte ich —“ Innehaltend, blickte sie jämmerlich zu Georg auf.

„Aber gewiß, gewiß, natürlich!“ versicherte er froh und überrascht, „das ist ja ein glänzender Gedanke! Mein Vater —“

„Wir müssen weitergehn,“ mahnte sie, selber wieder munter ausschreitend, „da kommt schon die Eichstraße, dort wohne ich.“

Georg fuhr fort zu erklären, daß sein Vater immer auf der Suche sei nach tüchtigen und — gewissermaßen originellen Leuten, die andernorts schwer zu brauchen seien. „Mama sagte einmal, er sei magisch oder magnetisch für solche Menschen, — nun sehen Sie wohl, sein Magnetismus hat sich sogar durch uns erstreckt! Ich schreibe gleich morgen an ihn, nicht wahr? Er weiß sicher etwas.“