Der Maler antwortete nichts hierauf; Georg war unschlüssig. Am Ende konnte er gleich noch ein Wort mit Montfort reden, auch schien seine Gesellschaft ihm gar zu anziehend. Schlafen konnte er ja morgen, so lange er wollte.
Die Droschke kam herangerasselt, der Kutscher zog auf Montforts Wink die Zügel hoch, das Pferd stand schlitternd still. „Mulläng rusch!“ sagte Josef, und der Kutscher, den Hut lüftend: „Jawoll, Herr Baron!“ Der schien ihn zu kennen.
So stieg Georg denn ein und setzte sich links in den Rücksitz; der Maler kam neben ihn. Montfort, auf dem kleinen Vordersitz zusammengezogen, machte die Augen zu. Die Räder lärmten. Bogner öffnete das Fenster neben sich und beugte sich in die Öffnung. Nun verspürte Georg die sonderbare Engigkeit, in der sie sich zusammengepfercht hatten, den Geruch von Pferd, Leder, Wachstuch und alten Polstern und hatte das Gefühl, als sei etwas atemlos und ohne Ende mit ihm im Gange. Auf einmal glühte sein Gesicht, er fühlte sich an Seele und Gliedern abscheulich behindert, streckte die Füße, fühlte keinen Platz, zog sie wieder an sich und arbeitete mit den Augen an dem großen und dunkelhäutigen, verschlossenen Gesicht mit der fremden Bartfliege ihm gegenüber. Keine Gesetze kennen! dachte er höhnisch, was das schon heißen soll! Armes Kind, was kannst du ihm wohl sein? Wie still und in Bereitschaft sie immer dagesessen hatte. Ihre Augen waren klug, und sie las die Jahresberichte ... Was sage ich ihm nur? — Da fiel ihm ein, was sie vom schlechten Stande der Fabrik gesagt hatte, da erschien ihm Renate im dunklen Vorgarten, im Laternenlicht, wie sie ihm entgegenkam, und gereizter spürte er die Behinderung, hier fahren zu müssen, anstatt — was? ja was?
„Warum fahren wir hier?“ fragte er jählings. Keiner antwortete; keiner der Andern bewegte sich. Der Wagen rasselte und schwankte über das Pflaster, auf einmal war er auf Asphalt und rollte glatter und leiser dahin, während das einförmige Trotten des Pferdes hörbar wurde. Georg sah Bogners schwarzes Profil im einfallenden Licht, sah das Gleiten der Häuserwände, einen Mann, der wartend an der Ecke stand, um die sie nun schwenkten, eine Laterne, Rolljalousien und Reklameschilder, alles sehr traurig, beschmutzt und als ob es sein eigenes Nichtvorhandensein beklagte. Plötzlich merkte er Montforts Augen, die ihn unbestimmt anblickten, dann abglitten, und er hörte ihn langsam sagen:
„Immer wieder kehrst du, Melancholie,
O Sanftmut der einsamen Seele ...“
Es schienen Verse; er sprach langsam weiter:
„Zu Ende geht ein goldener Tag.
Demutsvoll beugt sich dem Schmerz der Geduldige,