Über ihre Schultern hinweg nahm er in der Dunkelheit des handtuchschmalen Raums ein kindlich kleines, todbleiches Gesicht wahr, aber mit schrecklich altkluger, schwer hängender Stirn unter wirrem, schwarzem Haar, ohne Augen. Die weißen Kissen standen spitz rechts und links davon empor. Unter der Decke bewegte der Körper sich unruhig, auch das Gesicht drehte sich unaufhörlich, von einem schlaflosen Geiste bewegt.
„Ist er das?“ fragte Magda ergriffen und fassungslos. Noch standen sie beklommen beieinander, als der Name Angelika durch das Zimmer schwebte, leicht wie ein Gedanke, zart wie Laubduft von den fiebernden Lippen abgelöst, und kaum daß sie recht bedachten, was der Name hieß, füllte sich mit Engelsgestalten und Lilien der geweitete Raum.
Magda legte Georg leicht die Hand auf den Arm und drängte ihn mit sich hinaus; die Tür schloß sie zu. Der Maler saß in einem Stuhl am Fenster, rauchte seine Pfeife und sah hinaus. Voller Regen schlug kräftig gegen die Scheiben, daß sie für Augenblicke erblindeten; durch das tosende Rauschen war die größere Stimme der fernen Meeresbrandung deutlich zu hören; es blitzte unaufhörlich, auch der Donner war jetzt laut geworden, noch rollend und großmütig, aber jeden Augenblick war zorniges Knattern und Schmettern zu erwarten. — Magda blieb mit dem Rücken an der Tür; Georg, im Zimmer stehend, sagte:
„Haben Sie es gehört? Er sprach einen Namen aus.“
„Nein, soeben nicht; aber es wird der Name sein, den er immer spricht, wenn er sich vergißt.“
„Kennen Sie diese — diese —“
„Man kann sie nicht kennen, sie ist tot; das ist ungefähr alles, was ich von ihr weiß.“
„Können Sie uns auch von Ihrem Freunde sonst nichts sagen?“
„Er ist nicht mein Freund. Was ich von ihm weiß, will ich Ihnen gern erzählen, es ist nicht viel.“
Es war finster geworden. Magda zog sich hinter den Tisch in das Sofa zurück, Georg setzte sich in der Nähe der Flurtür auf einen Stuhl, sah die vielen kleinen Pferdeporträte an den Wänden bei jedem Blitzschein hell aufspringen und hörte des Malers ruhige, ungetrübte Stimme, manchmal vom Donner übertönt oder unterbrochen, von diesem Jason al Manach erzählen.