Wie es denn mit den Gläubigern sei, fragte Bogner.
„Ach, darum handelt sichs ja gar nicht. Wir haben keine Abnehmer, haben überproduziert, seit Monaten keinen Absatz mehr gehabt, meiner Mutter Geld, alles ist futsch, und der ganze Krempel liegt uns da. Und ich sitze die ganze Zeit in Marburg und habe von nichts eine Ahnung. Damit ists natürlich aus. Papa, wie gesagt, ist vollständig — Tausend Teufel!“ schrie er, lief zur Tür und schmetterte ins Treppenhaus: „Emma! Emma! Sagen Sie meinem Bruder, wenn er nicht stantepeh erschiene, würd ich ihn holen! Das ist ja zum Haarausraufen!“ sagte er, die Tür zuschlagend. „Geht in den Garten oder tut, was ihr wollt. Großer Gott, und dann die Hochzeit heute!“
Renate hörte sich fragen, ob es denn notwendig sei, daß sie alle hingingen.
„Ja, bist du vielleicht von Sinnen?“ schrie er aufgebracht. „Ja, wenn sie noch morgen wäre! Das ist ja die verfluchte Schweinerei, daß man keine Ahnung hat, wohin der Hase läuft. Wenn bloß erst die Depesche da wäre! Himmel und Hölle, jetzt wird mirs aber zu bunt!“ Er verschwand; die Tür krachte ins Schloß.
Renate saß völlig gedankenlos, von unsteten Gefühlen durchtost, seufzte schließlich leise und sagte:
„Ja, ja, Bogner, da spielt man seine Orgel und träumt seinen kleinen Leiden nach, und unterdessen ... Mein Gott, der arme Onkel! Was muß das für ein Schlag für ihn sein! Und die Selbstvorwürfe! Um Himmels willen, was ist denn nun los?“
Sie lief zur Tür, öffnete einen Spalt, und oben wurde das Brüllen des Erasmus hörbar. Dann wurde dort eine Tür zugeschlagen, und es ward still.
„Bleiben Sie noch, Bogner!“ bat sie hülflos. „Gestern ahnt ich es ja schon, deshalb war ich so wortarm. Gott, es ist so viel! Nun auch Magda. Sie dürfens ja wissen, Bogner, sie hatte doch wieder einen Briefwechsel mit dem Prinzen, und nun hat sichs heute irgendwie herausgestellt, daß die Gefühle, die er da vorgegeben, oder auch wirklich gehabt hat —“ Sie stockte. „Es klingelt eben, ob das die Depesche ist?“
Sie ging wieder zur Tür, öffnete, wartete; dann kam das Mädchen mit der Depesche. Renate trug ihr auf, nach oben zu gehn und Erasmus Bescheid zu sagen.
Die Depesche lag auf dem Tisch. Renate sah sie feindlich an.