Renate schalt, und Bogner lachte. Da hörte sie auf mit Tanzen, stand grade vor ihm und bat, ihr diesen Herrn vorzustellen. Renate tats, und sie sagte, ihm die Hand schüttelnd, indem sie nach Mädchenart den Arm weit vorstreckte, den Kopf gegen ihn herunternicken ließ und die Knie leicht knixend vorschob, ihre ganze fröhliche Seele in den Augen: „Kommen Sie auch zu meiner heutigen Hochzeit, geehrter Herr?“

Wenn das eine Einladung sein solle, meinte Bogner.

„Eine richtige,“ sagte sie. „Ihr Bruder kommt doch auch mit seiner Frau, und unsre Familien kennen sich doch, seit Ihr Papa geholfen hat, mich ans Licht zu befördern, und wir haben sowieso Herren zuviel, da kommts auf einen mehr oder weniger nicht an. Und nun muß ich wieder weg. Ich wollte dir bloß guten Morgen sagen. Aber du siehst ja so blaß aus! Wie kann ein Mensch heute bloß blaß sein! Eigentlich wollte ich dich holen, damit du meinen Staat bewunderst, das heißt“ — sie flog wieder die Stufen herauf bis an Renates Ohr, in das sie lautschallend hineinflüsterte: „Das heißt, eigentlich wollte ich noch einmal übern Zaun klettern. Nun adieu, adieu allerseits! Adieu Sie, Herr Maler, Sie sind doch der Maler? Also Sie kommen doch? Ganz sicher? Hu, was ist das für ein Teufel!“

Erasmus stand in der Tür, blaurot und mit geballten Fäusten. Er brachte eine Zeitlang keinen Laut hervor, während Irene ein paar Schritte entfernt von ihm, zu einer Art Tanzpose erstarrt, mitten im Raume schwebte; endlich:

„Entschuldigen Sie, Fräulein von Herzbruch, ich habe mit meiner Kusine zu reden.“

„Ich geh ja schon, hu!“ sagte sie und näherte sich ihm vorsichtig, — „oller Bär! oller Wolf! oller Menschenfresser!“

Sie gewann im weiten Bogen um ihn die Tür, flüchtete hindurch und verschwand.

„Um Gottes willen, Erasmus,“ stammelte Renate nach angstvollen Sekunden, „was ist denn?“ Er stand da, geduckt und eingestemmt, wie ein geblendeter Stier. Er keuchte:

„Da! sieh’s dir selber an. Der junge Herr ist übergeschnappt. Jetzt schlägts dreizehn. Jetzt werd ich gleich dreinschlagen.“

Josef wurde hinter ihm sichtbar, ein wenig bleicher als zuvor, ging bis zu Renate, die am Rand des Podiums stand, und wollte ihr etwas zuflüstern, als sein Bruder in ein solches Wutgebrüll ausbrach: „Hier wird nicht geflüstert, du Lümmel!“ daß die Orgel, wie aus dem Schlaf geweckt, zu murren begann. Bogner trat jetzt stracks auf Erasmus zu und sagte zu ihm: