„Ich glaube, du brauchst was von mir.“

Da beruhigte er sich im Augenblick und antwortete geradezu: „Jawohl.“ Er streifte Renate mit einem unterwürfigen Blick und fuhr fort:

„Vor fünfzehn Jahren hat mein Vater dir was gegeben. In den Zeitungen steht, was du vom Herzog bekommen hast; aber das giebst du mir, nicht meinem Vater. Was du hast, Renate, muß ich auch haben, ich nehme, was ich kriegen kann. Dann hab ich die Anzahlung heraus. Dann muß geschuftet werden, daß die Balken krachen.“

Er reichte Bogner die Hand und sagte: „Besten Dank. Ich habe schon an Neumann telegraphiert.“

Darauf winkte Bogner Renate zu und ging.

Minutenlang standen sie nun alle Drei ohne zu sprechen. Renate auf dem Podium hielt die Arme an den Seiten heftig niedergestreckt mit nach unten gedrückten Handballen, die Finger nach oben angehoben, so daß ihre Brust sich spannte und füllte, während der Kopf sich von selber nach hinten neigte. Erasmus zu tadeln, wagte sie nicht, weil in all seinem Getobe etwas war, das ihr Herz bewegte; auch war es klar, daß seine Entschlossenheit ihrer aller Schicksal angepackt hielt. Wie ein schwerfälliger Dämon stand er unten mit hängenden Armen. Bogners Worte von seiner Malerei und der Musik fielen ihr ein, da sie Josef zwischen zwei Fenstern an der Wand lehnen sah, nicht unteilnehmend, sondern aufmerksam, den Kopf leicht gesenkt, als ob er horche, und fast bekümmert.

„Was ist zwischen euch geschehn?“ fragte Renate endlich, unfähig, nur einen von Beiden anzureden.

Josef sagte, da sein Bruder schwieg, was ihn angehe, so sei er hergekommen, um zu verhindern, daß sie mit dieser Sache behelligt werde.

„Ich bin aber kein Engel!“ rief sie nun doch zornig und funkelnd. „Was soll das alles! Wenn ich erst ein halbes Jahr dies Haus unter mir habe, so hat deine Taktlosigkeit noch keine Ursache, mich hinauszustellen, im Augenblick, wo es erschüttert wird.“

Wenn sie auch seine Meinung mit ihren Worten verdreht hatte, so wußte sie doch, daß sie ihn traf mit der ‚Taktlosigkeit‘. Sich aufrichtend, sagte er kühl: