„Ich habe meinem Bruder eben mitgeteilt, daß die plötzliche Veränderung in unserm Hause für mich die langerwünschte Gelegenheit bedeute, es zu verlassen.“
Renate wußte in diesem Augenblick nur, daß ihr Onkel an nichts in der Welt hing außer an Josef, und versetzte kalt und hart, er wolle seinen Vater augenscheinlich umbringen.
„Augenscheinlich paßt es ihm nicht,“ erklärte Erasmus mit gewaltsamer Ruhe, „eine Stellung unter seinem Bruder einzunehmen, nachdem sein Vater die Sache in meine Hände gelegt hat.“
Josef antwortete, das sei nicht der Fall; er habe doch nie etwas gegen seinen Bruder gehabt, im Gegenteil, ihn stets geachtet und geehrt, wie er auch nie ein Wort dagegen geäußert habe, daß er, Josef, ins Geschäft gesteckt worden sei, während der Erstgeborene studierte.
Mit keinem Wort brauste Erasmus auf, doch bloß, weil er zu träge gewesen sei, um sich zu widersetzen, was er später mit seinem ganzen verlodderten Dasein —
„Ich bitte dich, Erasmus,“ klagte Renate, „sei doch einen Augenblick ruhig, was soll denn daraus werden?“
„Ich will nicht ruhig sein, verdammt noch einmal!“ schrie er, „und was daraus werden soll? Mores lehren werd ich den Burschen, und wenns nicht anders geht, mit der Hundepeitsche! Im Geschäft hast du jahrelang dagesessen und jeden Tag drei Stunden Zigaretten geraucht, das war deine Arbeit. Nun willst du dich drücken, weil Vater dir alles hingehn ließ, und weil du weißt, daß ich den Teufel tun werde und dir noch einen Pfennig für deine Scharteken und deine Huren bezahlen!“
„Darf ich dich hinausführen, Renate?“ fragte Josef.
„Laß nur, Josef, dein Bruder spricht wohl etwas grob, aber er hat doch nun auch die ganze Last.“
„Ich versteh ihn sogar. Ich habe Geld verbraucht, ich habe andre Neigungen als er, und bisher war das Geld dazu da. Was hat es für einen Sinn, jetzt zu lamentieren, weil es in Zukunft nicht mehr da sein wird, und ich habe soeben erklärt, daß ich es nicht mehr haben will. Ich hätte ja auch längst verheiratet sein können und —“