„Ja, mit deiner Tänzerin oder Kokotte,“ dröhnte Erasmus. „Zum Tempel hätt ich sie hinausbefördert!“

Unter der Wölbung sammelte sich der Lärm zu einem lang nachhallenden Summen. Josef fuhr fort:

„Die wirklichen Dinge sind von all dem, was mein Bruder sagt, so weit entfernt, daß ich nicht bis zu ihm hinüber sprechen kann. Ich habe ihm meine Absicht ausgesprochen, meiner Wege zu gehn, und zwar mit einer geringfügigen Summe, von der ich nicht leben kann, und auch die ziehe ich mit Vergnügen zurück; mein Fortkommen finde ich überall. Warum will er mich halten?“

Renate zitterte innerlich über diese Leichtigkeit der Taktik Josefs, der seinen Bruder mit einer einzigen kleinen Wendung zu Boden schlug, indem er nicht mehr ihn, sondern sie anredete. Erasmus stand und schnaufte.

„Weil — weil —“

Er brachte nichts heraus, rollte die Augen und fing auf einmal an wie ein ganz Verlorener die Hände zu ringen, bis es ihm scheinbar gelang, etwas für ihn Fürchterliches hinunterzuschlucken, und er schrie: „Weil er gebraucht wird!“

O wie war es kläglich, daß er nichts konnte, als nun seinerseits ‚er‘ zu sagen.

„Hab ichs ihm nicht zwanzig Mal gesagt? Soll ich vielleicht alles allein machen? Soll ich mir für neuntausend Mark einen Prokuristen halten?“

„Mir wolltest du nicht so viel zahlen?“

„Hohngelächter der Hölle! Dreitausend Mark, und keinen Heller giebts mehr! Dein Liebchen wird schon einen andern Liebling finden.“