„Nun, und wie fandest du sie?“ fragte Benno, glühend auf der Lauer. „Ist sie nicht herrlich?“ — Benno krümmte sich, hauchte und verging.

„Eine Symphonie,“ sagte Georg kauend und sehr an sich haltend.

„Ja! Du sagst es! Sie ist wie — wie das Meer. Wie das Meer ist sie für sich allein, außerhalb unsrer Festlandswelt. Und wie das Meer ist sie — hast du’s gesehn? — leicht in leichter Bewegung nach außen, gern willig jedem Winde — sahst du das Spiel ihrer feurigen Augen? — am Grund aber immer still und nie bewegt. Das ist ihr Zauber, du wirst es sehn. Der Zauber der seltenen Stunde — wir sehn sie nie —, wo sie einmal mit allen tiefsten Wassern und ihrer wunderbaren Bevölkerung aufbrechen wird. Wer wird den ganzen Schrei ihrer Seele hören, wenn die Schiffe ratlos untergehn?“

„Ja, wer?“ wiederholte, schwer sinnend, Georg.

Eine Weile waren sie Beide still. Der Kellner unterbrach, Benno mit Fisch zu bedienen, Benno fing an, sich vorzulegen, legte Messer und Gabel wieder hin und sagte, kaum hörbar vor innerster Andacht:

„Sie steht auf einer solchen Höhe, — oder besser — in einer solchen Ferne von uns! Ist ihre Schönheit nicht zwischen ihr und allem? Du wirst es sehn, Georg, sie ist ganz für sich allein. Sie ist wohl unter uns, ja, sie nimmt teil, wie ein Engel teilnimmt, mit seinem Handeln, doch nicht mit seinem Wesen, — wir sind nicht ihre Angelegenheit, sie — sie erwidert nur, sie ist immer beschlossen in sich, wie — wie in Waldtiefen, wie Echo ...“

„Und du meinst, sie müßte sehr tief stürzen aus solcher Höhe?“

„Ja, muß sie nicht?“

„Warum, Benno, das ist mir nun nicht klar. Warum sollte sie durchaus stürzen? Durch einen Andern, einen Menschen, den — also den sie liebte, nicht wahr, und der ihrer — nicht würdig wäre? Freilich, vor Irrtum schützt auch die Schönheit sie nicht, aber — Liebe, nicht wahr, ist doch immer Irrtum, aber —“ Woher hab ich das eben, dachte Georg hastig zwischenein, wer sagte das noch —? — Er fuhr fort: „— aber die Liebe selbst, die Liebeskraft, auf die es allein ankommt, die bleibt doch vom Irrtum unbeschadet, die — nicht wahr — besteht doch in sich selbst, — ich weiß nicht, ob du ...“

Benno schwieg eine Weile, mit seinem Fisch beschäftigt.