„Anna!“
„Aber das dritte Mal würde es mir das Leben kosten“, schloß sie tapfer.
Georg schäumte innerlich vor Wut. Dies verruchte Weib! Anna lachte auf einmal hell.
„Weißt du noch, Georg, wie du das von dem Seestern sagtest? — da erschrak ich so merkwürdig, — und nachher dachte ich an gar nichts. Es kam ja alles so schnell, so plötzlich, wie er da im Wasser schwamm, und der Schwan schlug mit den Flügeln und sah hin. Erst als ich hineinritt, erschrak er und brauste davon. Die Prophezeiung ist mir erst viel später eingefallen. Als Artaxerxes davonflog, fiel sie mir plötzlich ein. So sind Sie doch auch in das brennende Abteil gesprungen, ohne zu denken, und nun bin ich auf so viele Gedanken gekommen und fing an, mich zu fürchten, oder ob das Gewitter ... denn ich wollte mich nicht fürchten, gewiß nicht, ich dachte, als ich nebenan vor seinem Bett stand, wo er so kindlich aussah, ich wollte es gewiß gern tun, dreimal, wenn es sein müßte, und auch selbst dabei ...“
Sie brach ab, weinte auf, legte hell jammernd das Gesicht in die Hände und auf den Tisch, und eine lange Zeit war sie nicht zu beruhigen, auch verzweifelte Georg an sich selber, weil er, sie in den Armen haltend, alle möglichen Empfindungen hatte. Schließlich ward sie doch stiller, trocknete ihr Gesicht, stand auf, nickte den Beiden durch nasse Schleier lächelnd zu und ging schnell und leise hinaus.
Zwiegespräch
Georg hatte, als Anna gegangen war, gedankenlos die Uhr gezogen; es war etwas nach halb zwei, und so blieb immer noch eine halbe Stunde bis zur Unterredung mit seinem Vater, auch wenn er berechnete, daß er sich für das Mittagessen noch anziehen mußte — was ich eben schon hätte tun können, dachte er.
Er steckte die Hände fest in die Rocktaschen, sie nach vorn drückend, lief ein paarmal auf und ab und mußte plötzlich losbrechen:
„Verstehen Sie denn das alles? Nun liegt die Geschichte ja noch anders, als ich Ihnen vorgerechnet hab, Ihr Eisenbahnunglück kommt auch noch dazu, und das Bild, das Sie doch seit Jahren hätten abmalen können, und das alles, damit eine gottverdammte Prophezeiung eintrifft, das ist ja zum Haarausraufen! Glauben Sie eigentlich daran?“
„Prinz,“ sagte Bogner, „ob wir daran glauben, das ist hier wie immer wohl nebensächlich. Es scheint: sie glaubt daran. Was man glaubt, pflegt zu geschehn.“