„Sie muß wohl,“ knurrte Georg, „wenn es doch schon eintrifft. Daß sie vorher nicht daran glaubte, haben Sie ja selbst gehört. Es ist ja grauenhaft!“

„Leider!“

„Das sagen Sie so, als ob ...“

„Ich will mich gern erklären“, äußerte der Maler willfährig. „Mir fielen antikische Weissagungen ein, Achilleus, Odysseus, Ödipus. Das waren, wie soll ich sagen, Opfer der Phantasie, Opfer ihres Volkes, die es mit dem Schauerlichsten oder Erhabensten belud, wovon ihnen selber nichts zuteil wurde. Aber warum, meinen Sie, bekamen diese Erhabenen stets die Weissagung obenein?“

„Ich verstehe schon,“ meinte Georg, „Sie denken an das Vorherwissen ihres Schicksals, die Unabänderlichkeit des Erfüllenmüssens, ja dies Erfüllen, wo die andern einfach betroffen wurden. Nun, dafür waren jene eben Helden.“

„Keineswegs. Sondern eben dadurch wurden sie es. Dem einfachen Menschen ist das Vorherwissen — damals wie heute — ein — manchmal verlockender — in Wahrheit immer grauenvoller Gedanke, und jene wurden, die erhabenen Einzelnen wurden zu Helden, weil sie diese Ausnahme ertrugen und in ihr Schicksal sahn. Sie hatten ihr Schicksal, über den Vielen, die das Schicksal hatte.“

„Ödipus etwa?“

„Ödipus war doch kein Held, Prinz.“

Georg schwieg eine Weile und fand endlich das erlösende: „Das beweist gar nichts. Anna ist keine Penelope, kein — kein Heldenweib.“

„Woher wissen Sie denn das? Wird man zum Helden geformt, gestempelt und eingetragen, wie Herr Chalybäus: Tenor alles in allem? Sie begehen auch eine Verwechselung, glaube ich. Penelope und andre, auch männliche Berühmtheiten waren schöne Gestaltungen des Durchschnitts. Sie taten das Nötige, aber sie glänzten, weil sie im Glanze standen. Troja und der große Krieg, Odysseus und die wilden Fahrten überglänzten alles, was drin auftauchte —“