Nicht der Sohn meines Vaters ...? Was — was heißt das? — Und meiner Mutter — zuckte es nach. Wie? — Also darum — darum die Fremdheit ... Wie er aber spürte, daß an seinem linken Mundwinkel ein Lächeln der Befriedigung zuckte, durchglühte es ihn siedendheiß. O du Schurke! sagte er zu sich.

Er wurde etwas ruhiger danach. Er hörte ein Geräusch, sein Vater stand mühsam auf, dann hörte er die Stöcke hinfallen, sah auf und sah seinen Vater dastehn jämmerlich, einen Arm auf die Tischplatte stützend, den andern ausstreckend, zu ihm hin, da er nicht von der Stelle konnte. Und er stürzte sich an die Brust des Mannes, der ihn an sich preßte, als wäre alles an ihm eisern.

„Das ist ja Unsinn!“ schrie Georg empört, „das ist ja alles Unsinn!“

„Ja, ja,“ hörte er über sich seinen Vater, „so ist es, es geht uns nichts an, das ändert ja nichts, du bist ja mein Sohn.“

Er faßte ihn an den Schultern, hielt ihn von sich ab mit zärtlichen Augen und sagte:

„Gut, daß du’s selber gesagt hast. Zwischen uns bleibt alles beim alten.“

Er mußte sich nun wieder hinsetzen, winkte Georg zu, es auch zu tun, und sagte dann eilfertig:

„Mein lieber Junge, eins brauche ich dir doch nicht erst zu versichern, wie ich dir nicht erst meine Ansichten von Welt, Stand und Geburt und dergleichen zu erklären brauche, — eins sollst du wissen und glauben: so schmerzlich, ja so bitter schmerzlich dies Ereignis für mich ist, nein, Junge, nicht einmal dies Ereignis, das ist es ja gar nicht, sondern nur der Gedanke an Mama und — und diesen jahrelangen Irrtum, der natürlich für eine Mutter etwas ganz andres bedeutet als für unsereinen, — nun, was wollte ich sagen?“

Ach, war er nicht himmlisch, dachte Georg. Mama sagte er wieder und ‚unsereins‘. Ja, so war er, so war er! — Der Herzog fuhr fort:

„Ich wollte sagen, zwanzig Jahre für ein Wesen wie für einen Sohn fühlen, sorgen, denken, das macht alles andre, alles zunichte. Zwischen uns bleibt alles unverändert. Nicht wahr, Junge, ich brauche nicht zu allem andern noch zu denken, daß es dich womöglich peinigt, dein Leben lang Gefühle in Anspruch genommen zu haben, — das ist ja Unsinn, wir alle haben es nie anders gewußt, und das waren die Gefühle, und andre hätten es nicht sein können, und nun bist du mein Sohn und basta!“