Er lachte leise und innerlich und setzte dann hinzu:

„Es giebt so wenig Seelen; am besten sitzt man für sich allein und bastelt so herum. Manchmal wirds was, manchmal nicht.“

Das war ja schrecklich banal! Georg war tief enttäuscht, da alle Aufschlüsse ausblieben. Und dieser Mensch, der so klug, der geradezu verschlagen geredet hatte, — nun, wo er über seine Kunst, sein Innerstes reden konnte — —, oder tat er nur so? Wollte er nicht? Er mußte es noch einmal versuchen.

„Ich verstehe, wie Sie es meinen“, sagte er bescheidenlich. „Sie malen, wenn ich so sagen darf, Ihre Seele in Ihr Bild, und der Betrachter sieht die seine heraus, nicht wahr? Es ist genau wie mit der Sprache eben.“

„Ja,“ sagte dieser Mensch hocherfreut, „genau so ist es! Es ist ganz einfach, ich sagte es ja: man malt eben. Man kann etwas, das ist selbstverständlich; und man hat eine Seele, das ist auch selbstverständlich; nachher ist man denn Holbein oder vielleicht Vermeer. Andre wieder sind nachher vergessen. Was verstehen Sie übrigens unter Seele? Es geht etwas in einem vor, es bewegt sich, eine gewisse Neigung nach Ewigkeit, und für das, was einen bewegt, findet man in der Umwelt die Belege gewissermaßen, die Gleichnisse ...“

„Wir erkennen uns selber im Spiegel der Umwelt“, sagte Georg gedankenvoll.

„Oh!“ rief der Maler aufspringend und ans Fenster tretend, „wenn Ihnen mit Schlagworten gedient ist, weiß ich ein ausgezeichnetes, das ich mir selber ausgedacht hab, nämlich: Kunst ist zu scheinbarer Objektivität gesteigerte Subjektivität. — Praktisch ist natürlich alles umgekehrt.“

„Wieso?“ fragte Georg, verdutzt vom Stuhl an der Tür zu ihm aufsehend, der sich mit dem Rücken ins Fenster lehnte und die Ellbogen in die Hände nahm.

„Weil es da die Beispiele, die Belege draußen sind, an denen man sich selber zu erkennen glaubt; das geht so hin und her.“

„Ja,“ fuhr Georg verstehend fort, „alles ist Spiegel, alle Erscheinungen, und wir selber sind tausendfach gebrochene Spiegelbilder.“