„Und dies,“ hörte er den Maler langsam sagen, „dies sind denn wohl so die Dinge, von denen man reden kann.“

„Und die wirklichen, was wären die?“

„Ach, so viel“, sagte Bogner. „Eine Kontur, so ein Kobaltblau in der Dämmrung, oder die Kerbe eines Blattes, und der Ansatz am Stiel, oder eine Nasenwurzel, — ja, das sind schon Dinge, schon Dinge ...“ schloß er ganz nachdenklich.

„Eigentlich aber,“ sagte er, den Kopf hebend und den ebenfalls sehr nachdenklich gewordenen Georg voll anblickend, obgleich der, weil er gegen das Fenster sah, seine Augen nicht erkennen konnte, „eigentlich aber wollte ich Ihnen nicht dieses sagen.“ Er verstummte und sprach nach einer Pause sehr freundlich, fast liebevoll weiter.

„Es ist so schwer“, sagte er langsam. „Ich kann es Ihnen freilich sagen, denn Sie werden ja trotzdem tun, was Sie müssen, und sich um mich nicht kümmern. Es ist ja so schön, wie Sie alles, was um Sie her sich ereignet, in Angriff nehmen und durchdenken, aber — ich meine: es ist wie mit den griechischen und lateinischen Dichtern und mit Schiller in der Schule, an denen die grammatischen Regeln und der Aufsatz gelernt werden, wozu sie doch — eigentlich — nicht da sind. So benutzen Sie, wie alle guten jungen Leute, die Schicksale der Andern, um daran denken zu lernen.“

Er schwieg. Georg, ziemlich betroffen, sah ihn mit wagrechtem Finger sich unter der Nasenspitze reiben und hörte ihn fragen: „Kennen Sie Indien? Ich habe einmal gehört, daß die jungen Männer dort nicht in Schriftstellern und Algebra unterrichtet werden, sondern in — Lebensfertigkeit gewissermaßen, wenn auch die geistige Arbeit dortzuland sich wohl vorwiegend mit dem Leben nach, nicht mit dem vor dem Tode beschäftigt, aber nun — sie brauchen sich ja dort nicht vor Fahrplänen und elektrischen Bahnen in acht zu nehmen.“

Georg, in dem Glauben, daß noch etwas kommen solle, schwieg ehrfurchtsvoll und zugleich auf eine ihm schmeichelnde Weise gehoben, da der Maler zuletzt sich so viel ernsthafter gegeben zu haben schien, daß es ihm vorkam, als sei er selber älter geworden während ihres Gesprächs.

„Danke schön!“ sagte er nun aufspringend und lachte, „nun muß ich aber fort.“

„Wenn Sie meinen,“ sagte der Maler mitlachend und ihm die gereichte Hand drückend, „daß ich Ihnen jetzt doch meine Gedanken offenbart hätte, dann irren Sie sich. Es waren nur die von heute vormittag; die richtigen, die von voriger Woche, die hab ich für mich behalten.“

So ging denn Georg, nicht ohne starke Zweifel am zuletzt Gehörten, die er sich schuldig zu sein glaubte.