„So weit“, sagte Bogner, faltete seine Briefblätter zusammen, nahm die Brieftasche wieder hervor, legte die Blätter hinein und steckte sie fort. Magda sah ihn dankbar an und wagte zu fragen, wer das geschrieben habe.
„Die mit dem Schatten des Falters — dort!“ sagte er, in der Richtung des Klaviersaals deutend. Dabei schien Magda, die eben den Mund öffnete, etwas einzufallen, sie erschrak leicht und fragte: „Bitte, wie spät ists, Georg! Deine Mama bat mich, gegen fünf etwas Harmonium zu spielen.“
Es sei eben fünf Uhr gewesen, sagte Georg, und sie stand auf und ging, jedem der beiden zulächelnd, schneller hinaus, als daß Georg hätte fragen können, ob sie nicht mitkommen dürften.
Nun war es noch stiller geworden. — Eine Frau hatte das geschrieben? Welch sonderbarer Geist! Nun saß sie für ewig dort und sah empor, wo der unsichtbare Falter flog. Aber wie dieser Bogner das wieder heilsam getroffen hatte mit seinem Vorlesen! — Überdem sah Georg, der sich im Sitzen nach dem Fenster, nach dem Klaviersaal hinübergewandt hatte, wo alle Vorhänge gegen die Sonne geschlossen waren, den äußersten linken sich bewegen, er teilte sich und glitt auseinander, Anna erschien, das Fenster aufriegelnd und draußen einhakend. Sie schwand, und gleich darauf wurde das Brausen des Harmoniums in der stillen Leere hörbar.
„Sie sind wohl nicht musikalisch?“ fragte Georg den Maler. Der verneinte, erklärte aber, Musik gern zu hören.
„Dann“, sagte Georg erleichtert, „können wir ja auch hinübergehn. Anna hat viel gelernt, und voraussichtlich wird es Bach sein; Mama liebt ihn besonders, er ordne ihre Gedanken, sagt sie, Sie wissen ja, wie krank sie ist.“
Bogner erwiderte nichts, und so gingen sie stillschweigend über Flure und Billardzimmer hinüber.
Siebentes Kapitel
Erzählung
Magda wandte, als sie den Saal betraten, den Kopf nach ihnen, lächelte und spielte weiter. Bogner setzte sich auf den Klaviersessel vor dem mittleren der drei Flügel drüben. Alle Türen zur Herzogin standen offen wie stets; in den verhangenen Gemächern herrschte goldener Schatten mit etwas einfallendem Sonnenlicht am Boden hier und da und güldenen Streifen Sonnenstaubes. Georg nahm einen Stuhl und setzte sich neben das geöffnete Fenster, wo es hell war, während die jenseitige Hälfte des Saals mit den Klavieren in der Dämmerung der goldgelben Vorhänge blieb.