„Ach, Georg!“ seufzte sie nach einer Weile aus tiefstem Herzen, „es ist himmlisch!“

„Was denn, mein Kind?“ fragte er väterlich aus seiner Schattentiefe nach oben.

„Ach — alles!“ sagte sie überzeugt, ließ seine Hand los und legte die freigewordene ihre auf seine Schulter, um drüben hinabzuspringen. Er folgte, ergriff einfach ihre Hand, und so schlenderten sie weiter, die Hände ab und zu im Gehen schwingend, wortlos; nur als sie die letzte Deichschrägung hinaufkletterten, meinte Georg, es würde Flecke geben.

Nun waren sie oben. Violetter Rauch lagerte über der See, die sie anatmete mit ihrer ganzen, riesigen Weite, darüber rötliches Gewölk, dann lange, feuergoldene und scharlachne Streifen, dazwischen ganz ferne, grüne, wie ewige Wiesen. Spiegelblank war die See, eine durchsichtige Glasplatte über einem milchigen, bläulichen Etwas, — doch nein, es war nicht die See, die war weit draußen, der rosige Streifen, das war die kleine Brandung, die rauschte, — und dies war nur der nasse Ebbeschlamm, der graue Schlick, der glitzerte, an vielen Stellen mit Lachen Wassers bedeckt.

Die unendliche Farbigkeit und die Stille verstärkten Georgs Beklommenheit. Leise sagte er: „Anna!“ hörte ein schwaches: „Ja ...“ und sah, daß sie das Gesicht ein wenig zu ihm wandte, ohne ihn anzusehn.

„Du hast so schöne Gedanken,“ sagte sie auf einmal vor sich hin. — Sie meinte wohl das, was er von Bogner ...

Sie machte ihre Hand aus der seinen los. Die Sonne war verschwunden, überm Horizont ergrauten die Farben, aber seliger noch und tiefer und stiller schwelgten die andern ihre purpurne und lichtgelbe und silbergrüne Seele aus in die himmlische Leere. Es wehte stärker aus Nordwesten.

Und nun standen sie am Rande der Welt. Nur Farben, die sich wandelten, sich auslebten in Stille. Sie waren die einzigen Menschen, und dies war für sie eine ewige Aussicht in die andere Welt, die sich dort erging in Wesen der Farbe, die lächelnd ewige Spiele übten, nur leise lächelnd, weil sie wußten, es sahen zwei ihnen zu.

Georg empfand noch dies. Dann fragte er, süß fühlend, wie das Reuegefühl sein Herz umkrampfte:

„Bist du mir noch böse?“