Ferne, heiser, krähte ein Hahn. Einer der Helenenruher Hähne antwortete nahebei, verschlafen und krächzend. Der Maler ging die Stufen hinunter, bog aber nicht ab nach rechts, sondern schritt geradeswegs über die Wiese, in deren Nebelsee er eine schnurgerade, dunkle Furche zog. Ich glaube, der will baden, murmelte Georg, als die Gestalt im Nebel verschwand.

Er drehte sich um. Da war der bunte Lampenschirm, aber er leuchtete nicht mehr, war gedrucktes Zeug mit Farben und türkischen Arabesken, sehr kalt, erloschen und trocken. Und Georg wandte sich ab von ihm und ging die Stufen hinunter.

Er fand, daß ein meilenlanger Weg und hundert Treppenstufen bis zu seinem Zimmer zurückzulegen waren, entkleidete sich irgendwo und irgendwie, sank in die Kissen und schlief im Augenblick ein, während die Hähne häufiger und lauter krähten, der Nebel sich verdichtete, die Sonne heraufstieg, den Nebel wegschmolz, Starenkehlen weckte und auf allen Wiesen die Grillen, die wieder zu feilen begannen, tausendstimmig und ununterbrochen.

Hier enden des ersten Buches neun Kapitel oder doppelt so viele Stunden.

Zweites Buch.
Haus Montfort
oder
Die Brücken des Herzens

Erstes Kapitel: August

Renate von Montfort an Magda Chalybäus

Waldhausen bei A., am 29. Juli

Liebste und (vorläufig noch!) Einzige!

Haus Montfort steht in goldenen Lettern über dem Eingang des kleinen grauen Barockpalastes, in den ich soeben eingezogen bin, — dreieckige und jene, in der Mitte zerstückten Bogensimse über den Fenstern, Erdgeschoß und zwei Stockwerke, kleine Figuren auf dem Dachrand, ein schmaler Garten davor, ein großer dahinter. In einer halben Stunde soll gegessen werden, ich habe den Reisestaub abgebadet und sitze, wie ich der grünen Fliesenwanne entstieg — das heißt: getrocknet! — aber herrlich unbekleidet nieder, um Dir mit fliegender Feder zu sagen, daß ich Dich liebe und wie und wo ich mich befinde.