„Sie haben,“ fragte Georg schläfrig und etwas verdrossen, da Sigurd, ohne von alledem etwas zu sehn, seine Mappe in einen Sessel gleiten ließ und zu den Büchern ging, „Sie haben wohl nie bemerkt, daß das Jahr mit denselben Farben beginnt und schließt.“
„Davon versteh ich nichts, Georg“, bemerkte er nur, seitwärts den Kopf tief hinunter beugend, um einen Titel im untersten Fach längs des Buchrückens zu lesen.
„Nämlich gelb und violett. Gelbe und violette Krokus, Primeln, Veilchen und Narzissen, und Astern und Sonnenblumen im Herbst.“
„Schön. Wills mir merken“, murmelte Sigurd und schob die Unterlippe vor, zog plötzlich ein schmales Buch heraus, blies über den Schnitt und klappte es auf. „Kassner,“ sagte er. „Von den Elementen der menschlichen Größe. Das kenn ich noch nicht. Würden Sie mirs leihen?“
„Gern.“ Georg rollte stöhnend einen Sessel über die Teppiche, gab ihm einen Schwung, daß er vor die offene Gartentür flog, rückte ihn zurecht und ließ sich hineinfallen. Seine Zigarettendose und Feuerzeug hervorziehend, murrte er: „Was haben Sie bloß von all den Philosophen! Von Kassner verstehe ich nicht ein einziges Wort. Sie sollten Verse lesen. In drei Zeilen von Rilke steckt mehr Wissen von den Dingen als in — ich weiß nicht was.“ Den ersten, tiefen Zug aus der Zigarette in die Lungen schlürfend, dehnte er die Brust empor und sprach mit tiefem Aufatmen:
„Als wäre die Gebärde
einer Mädchenhand
auf einmal nicht wieder vergangen ...
Ja das! Und das von dem Panther:
Dann geht ein Bild hinein,