„Natürlich! das Feindliche!“ sagte Georg. „Die freundlichen Naturmächte nahm er einfach und unbedenklich hin, erst die feindlichen rüttelten ihn auf, mit ganz physischen Mitteln: er mußte sich wehren. Lust bringt nichts hervor, Schmerz macht erfinderisch, Schmerz ist zeugend allein. Lust zweifelt nicht, Lust will bekanntlich Ewigkeit, das heißt Dauer — ihr erster Schmerz ist die Ahnung, daß sie enden muß —, Schmerz will Erkenntnis.“ Er verstummte, nicht unerfreut über diese Leistung. — Dann, da Sigurd still blieb, bog er sich um die Rückenlehne seines Sessels, entdeckte aber erst nach einer Weile Suchens ganz hinten nur seinen hohen Kopf zur Rechten der Treppe vor den Büchern; das Übrige seiner hockenden Gestalt war hinterm Schreibtisch verborgen.
„Hören Sie mir eigentlich zu?“ fragte Georg unzufrieden. Da schnellte er plötzlich zu seiner Länge empor, und Georg mußte lachen, weil er richtig ein Buch aus der Tiefe heraufgetaucht hatte.
„Ja, jetzt weiß ich, wie Sie’s machen“, sagte er. „Sie ziehen in jeder Bibliothek die Bücher heraus, lesen Titel und Verfasser, dazu einen Abschnitt auf Seite siebenundvierzig, und dann kennen Sie’s.“
Sigurd schmunzelte geringfügig, ohne übrigens so auszusehn, als ob er gehört hätte, ging zum Schreibtisch und setzte sich davor, worauf Georg die Beine über die Sessellehne warf, um ihn im Auge zu haben.
„Wovon sprachen Sie denn eben?“ fragte Sigurd, sein Buch aufschlagend.
„Von den ersten Menschen“, erwiderte Georg zweideutig.
„Die im Paradiese,“ äußerte Sigurd aufblickend, „wenn Sie die meinen, kannten freilich Gott. Ob sie aber deshalb schon Menschen waren?“
„Gott?“ fragte Georg. „Nein. Gott war wohl mehr ihresgleichen. Und sie wußten doch nichts von Zeit, und daß alles einmal enden könnte.“
„Ach, Georg, Sie glauben ja nicht an Gott. Haben Sie übrigens je bemerkt, daß jenes Verbot im Garten Eden, wegen des Apfels, nur an Adam erlassen ist? Neulich fiel mirs auf, als ich zufällig den Text nachlas; Eva war noch gar nicht erschaffen. Wie sollte sie also nachher begreifen? Sie mußte sich einfach auf den Mann verlassen, der es ihr mitteilte, und das gefiel ihr natürlich nicht.“
„Von da an, bis jetzt,“ sagte Georg lächelnd, „hat sie sich immer auf den Mann verlassen sollen, aber sie ist immer dagegen angegangen und hat ihn immer zum Essen verlockt.“