„Natürlich mußt du fahren.“ Das klang wieder wie immer, kurz angebunden, — doch so war er. „Nach Hamburg erst? Ja, natürlich, sie warten ja darauf. Wie? Sie warten darauf, sag ich. Wann geht denn das Schiff?“ Georg zuckte zusammen. Schiff? — Er lauschte mit wildem Herzklopfen plötzlich, doch kam nun endlose Zeit nichts, und er stand, flimmernd Buntes und Grünes vor den Augen, gemartert von der unhörbaren Stimme in der Ferne, die alles sagte. Endlich hörte er Sigurds Stimme wieder.
„Ja, dann wirds am besten — wie? — am besten wirds übermorgen — ja, Fräulein, ich spreche noch!“
Wieder alles still. Also nach Amerika. Fort. Einfach fort. Esther. Das war unmöglich. — Georg hörte seinen Namen, dann deutlich Sigurd, der ihn ans Telephon bat.
„Ja, was ist denn, Esther?“
„Mein Verlobter hat geschrieben, Georg. Er wartet ja schon seit einem, seit dreiviertel Jahr bald. Und er schreibt von einem Schiff, das ich benützen soll, — es fährt Mitte nächster Woche, und —“ Georg glaubte, sie Atem schöpfen zu hören. „Und nun erwarten Verwandte von uns in Hamburg, daß ich sie erst noch besuche. Also —“ Ihre Stimme erlosch, raffte sich dann wieder auf. „Also werde ich wohl übermorgen fahren. Dann hab ich noch morgen den ganzen Tag zum Packen und —“ Es kam nichts mehr.
„Ja, Esther, wenns sein muß. Was kann man da machen?“ Böse, einen Stich im Herzen, fuhr er gleisnerisch fort: „Es tut mir nur leid, daß ich Sie dann nicht zur Bahn werde bringen können. Morgen muß ich fechten, und das wird ziemlich schlimm werden, ich — ja, ich kann Ihnen das so nicht gleich erklären, warum. Dann —“ seine Brust zog sich zusammen — „dann sehn wir uns wohl gar nicht mehr.“
Keine Antwort. — „Sind Sie noch dort, Esther?“
„Ich — ich könnte ja heute noch — — wenns Ihnen recht wäre ... Ich habe jetzt Zeit.“
„Aber natürlich, Esther, herrlich! Also kommen Sie? Auf Wiedersehn! Wollen Sie Ihrem Bruder noch — — Sind Sie noch dort?“
Georg legte, schwer atmend, den Hörer auf, sammelte sich und sah sich nach Sigurd um. Er saß auf der Lehne von einem der Sessel in der Kaminecke, den Kopf gesenkt; das Gesicht war heiß, die Augen finstrer als je. Langsam, die Lippen vor und hin und her schiebend, fing er an zu sprechen.