Benno sprang auf.

„Ja,“ sagte er, lang dastehend, aus tiefster Seele, „ja, reisen wir!“

Neben Georg tretend, legte er einen Arm um seine Schulter. Lange standen sie so, der Raum füllte sich mit dem Brausen der Tiefen, schläfriger dachte Georg an Deutschland, an Altenrepen und verlangend und hoffnungsvoll an einen Garten, Orgel und Liebe.

Magda

Renate saß spät am Abend an ihrem Schreibtisch, in ihrem Gedächtnisbuch blätternd, um eine Eintragung zu machen; sie schlug, unschlüssig, wie beginnen, einige Seiten zurück und las das zuletzt Geschriebene.

Helenenruh, am 20. April

Im Grunde bin ich doch froh, daß ich hierhergekommen bin. Zwar kann ich so gut wie nichts tun, aber sooft ich denke, ich sei überflüssig, so muß ich nur Magda ansehn und denke gleich, es kommt einmal der Augenblick, wo sie zusammenbricht, und es ist niemand da, der sie bettet. Und nun, wo auch Jason al Manach, der die ersten Tage nach meiner Ankunft nur heiß und stumpf umhersaß, sich mit einer schweren Gehirnentzündung hingelegt hat, so verbrennt sie ja in Mitleiden und Dienstbarkeit. Seitdem herrscht tiefe Stille in Helenenruh, nur das Motorrad des Doktors unterbricht das dumpfe Krankenzimmerschweigen, in dem wir Frauen, die Domina und die Pflegerinnen, umhergleiten, und während draußen der April grüne Seiden ausbreitet und die schönen Farben hineinstickt, lagert im Hause die beständige Dämmerung verschlossener Vorhänge oder des Nachtlichts und die schwere, dumpfe Luft.

Was war das doch für ein anderes Helenenruh in Magdas Briefen! Soviel Trauriges darin war, es war doch das Bogners und der kindlichen Magda, die ich damals noch vor Augen hatte und nicht auslöschen konnte trotz dieser fremden Briefe. Dies aber, das ich hier gefunden habe, das weiß von alledem nichts; es sind nur Wege und Bäume, ein Teich, die Wiesen und die See, ein schönes Haus mit Sälen und vielen Fenstern, und wenn ich im Klaviersaal gespielt habe und am Fenster stehe und zum Verwalterhause hinüberblicke, die Vorfrühlingswolken über dem Park sehe und den Wind, der silbergraue Streifen über die frisch ergrünte Wiesenfläche schleppt, so finde ich keine Spur von dem hier, was ich hineingedacht habe, und ich sehe wohl ein, daß wir alles für uns allein haben. Die Dinge bleiben sich gleich und lassen uns an sich vorüber.

am 1. Mai

Chalybäus hat sich langsam erholt und vor ein paar Tagen sein Bett verlassen in Gestalt einer schiefen, vertrockneten und zusammengekrümmten Steinzeitmumie. Gleich verlangte er Wein, und als der ihm verweigert wurde, bekam er einen Tobsuchtsanfall. Es scheint nichts anderes übrig zu bleiben, als ihm zu willfahren; der Arzt wenigstens erklärt, es sei vorläufig nichts zu machen. Nun ist er bei einer alltäglichen Menge von drei bis fünf Flaschen Rotwein und verhält sich einigermaßen still. — Du arme Magda!