„Ich heiße Georg.“

„Georg? Ach, das ist schön!“

„Und auch griechisch.“

„Ja: ge—vor—gós,“ sagte sie mit genauer Betonung schulmäßig, „der Landmann. Sans an Landmann, gell?“

Oh dies ‚gell‘ war entzückend! Georg schüttelte nur lachend den Kopf, und sie wanderten langsam weiter, schweigsam, während Georgs Herz immer zärtlicher, sein Geschlecht immer begehrlicher empfand. Sie nahm jetzt den Hut ab, schüttelte den Kopf, und Georg sah, daß ihr Haar kurz geschnitten rund um den Nacken fiel. Darüber erlag er plötzlich, blieb, sie festhaltend stehn, umschlang sie und drückte sie an sich, während ihr Kopf schon hintenüber sank, ihr Mund emporkam, doch traf er, sie küssend, erst die Wange. Dann, als er ihren Mund gewann, brauste sein Blut siedend auf, durchflammt von der erschreckenden Süßigkeit dieses Mundes. Er stolperte, sie schwankten, ließen sich dann los und gingen hastig weiter, Georg trunken und beglückt. Bald nahm er ihre Hand, dann zog er sie davon, durch die Bäume der Allee und in einen der Wege in den Anlagen. Und dann saßen sie auf einer Bank, er hielt sie fast auf den Knien, ihre Brust lag an ihm, sie ließ sich küssen, Gesicht und Hals, küßte wieder und atmete tief und wild.

Wieder stille geworden nach dem Ausbruch, fragte Georg, ganz froh vor glücklicher Überraschung:

„Nun sag, was möchtest du? Hast du Wünsche? Wollen wir nach Ägyptenland reisen? Oder nach Stockholm? Na?“

Sie schwieg; ihre Augen blieben geschlossen an seiner Schulter.

„Aber erst muß ich wissen, wer du bist, nicht wahr?“ sagte er leise scherzend. Da schlug sie die Augen auf und sah ihn lange an. Endlich sagte sie ganz ernst und mit tiefer Stimme:

„Ich bin nur eine arme Seele!“