„Ists das?“ fragte sie, als zur Linken die Hausecke im Dunkel sichtbar wurde. Er nickte nur und zog sie weiter an der Hand, die Rampe empor vor das Portal, wo er sein Schlüsselbund hervorholte und mit den Worten „Wolln mal sehn, ob einer paßt!“ einen nach dem andern versuchte, bis er den richtigen nahm und aufschloß.
„Es geht ja auf!“ schrie sie ganz entsetzt. Er aber war schon im Saal, drehte die Lichtkurbel, nahm den Hörer des Haustelephons von der Wand, hörte nach Sekunden — dieweil er sie dastehn sah, ihren alten Hut in der Hand, fassungsloses Staunen überm ganzen Gesicht — des blassen Egon verschlafene Stimme und trug ihm auf, Limonade und zwei Gläser ins Arbeitszimmer zu bringen.
„Oder magst du lieber Wein? Ich trinke keinen“, fragte er sie, die mit runden feuchten Augen immer noch langsam umhersah. Dann schien sie ihn zu erkennen, ihre Augen verdunkelten sich schwer, auf einmal war sie vor seine Füße hin an den Boden geglitten, legte die Stirn an seine Knie und sagte:
„Habe Dank, Herr!“
Und nach einer ganzen, für Georg fast verzweifelten Minute in der Scham seines Nichtseins und Scheinens:
„Ich bin dein eigen.“ —
Dann gelang es ihm endlich, sie hochzuziehn. Sie ließ sich geduldig küssen wie ein erschöpftes Kind, lachte dann leise und verlangte, wieder in ihrem kindlichen Spaßton, „das Übrige.“
Georg schloß aus alledem mit Bestimmtheit, daß sie Schauspielerin war; zwar hatte er nie eine gesehn, die so fortwährend agierte; aber die Art, wie sie’s tat, war ihm bezaubernd.
Als aber bald darauf im Arbeitszimmer die Mondsphäre aufleuchtete, war sie vor Andacht kaum zu bewegen, daß sie die Stufen herunterkam, und dann ging sie umher und bewunderte und berührte ein jedes, die Kostbarkeiten, die Blumen, die Möbel, mit einer kleinen, scheuen, bittenden und vertraulichen Bewegung der Hand, bis sie vor dem Penserioso in vollkommenes Schweigen versank. Unterweil brachte Egon Limonade, Georg mischte ein Glas, brachte es ihr, und sie nahm es, ohne es zu bemerken, trank und gab es ihm wieder.
„Man möcht ihn immer anschaun“, sagte sie endlich. Und, die Hände faltend vor der Brust: