„Ja, was lachst du denn so?“ stach Georg — in einer Ahnung — auf ihn ein.
„Mama —“ sagte die Elfriede überernst in Bennos Gestammel, „paßt allerdings kaum in einen Dogcart. Mama ist ein wenig stark.“
Dick ist sie! Unglaublich dick! eine Maschine! ein Elefant! jauchzte und fluchte Georg innerlich. Nun ist mir alles klar. Eine Bürgersfrau aus der Markthalle. Rentiere im Adreßbuch! — Und um so dringlicher fuhr er fort, der Tochter sein Schimmelgespann zu preisen, das schon halb verkauft sei; so sei’s vielleicht das letzte Mal ... Ich muß die Alte sehn, dachte er. Und dann zu Renate!
Egon, sich zu ihm beugend, flüsterte: die Dame sei wieder da ...
„Was für eine Dame?“ fragte Georg laut.
„Die gestern schon da war, wie ich Durchlaucht ...“
„Ach, die sich nicht offenbaren wollte? Bitte entschuldige mich, Benno, — gnädiges Fräulein ... Es wird wohl ein Bittgesuch ...“ Georg legte die Serviette hin, ging zur Türe, öffnete und schloß hinter sich, das Zimmer zuerst leer findend. Dann sah er Cordelia.
Sie war noch keinen Schritt in den Raum gekommen; oben vor der Tür, die Hand am Geländerdach stand sie, ihren alten Strohhut in der Hand, ein welkes weißes Kleid, mit moosgrünem Seidenband unter der Brust, um den Leib gezogen. Aber — — oh — das ist ein Mensch! war Georgs erstes, voll aufseufzendes Empfinden in der Erinnerung an Bennos Elfe.
Erstaunt, entzündet von Freude sie wiederzusehn, sagte er leise nur „Cordelia —“, nun erschüttert von einem unendlichen und schweren Ernst, einer Wehmut, einer Demut und — diese durchglühend — einer fast mystischen Süße im Dunkel ihrer fernen Augen, im ganzen bleichen, atmenden, sehnsüchtig bewegten Gesicht.
Der Hut, ihr entfallend, rollte die Stufen hinunter. Sie folgte ihm, schrittweis, die Hände gefaltet, die Blicke unveränderlich auf ihn geheftet mit einem für Georg kaum noch erträglichen, sprachlosen Flehen. Einmal lächelte sie hülflos. Ein paar Schritte noch von ihm entfernt, hielt sie an, schauderte heftig zusammen, bezwang sich furchtbar, lächelte mit Anstrengung und fragte kaum hörbar: „Muß ich — ganz — hin?“