Ihm brach das Herz. Sich losreißend, durchzuckt: Sie stirbt ja vor Angst! — sprang er zu, riß sie an sich, legte ihren Kopf an seiner Schulter fest, hielt ihn, der herabsinken wollte, streichelte ihn unaufhörlich, flüsternd: „Was ist denn, mein Gott, was ist denn? Es ist ja gut! ist ja gut! Ich bin ja glücklich!“

Leise schluchzend hörte er sie etwas stammeln wie: Gott sei Dank! und: ja, nun ist es gut ... Langsam kam ihr Gesicht wieder hoch, naß überströmt, fließender Augen, aber er lächelte wie ein Engel durch den glänzenden Strom. Sie bewegte stumm den Kopf hin und her. Ihre Augen fielen zu.

„Willst du mich denn noch?“ fragte sie zwischen den Zähnen, „wirklich?“

„Ob ich will, Cordelia? Ja doch, ja! Ich bin ja nur glücklich, wenn du kommst! Ach,“ fuhr er, erschüttert von Mitleiden, fort: „sag mir doch, was dir fehlt, was dich quält, alles, alles! ich will dir doch helfen!“

Aber sie schwieg.

Im Nebenzimmer ward ganz leise ein Akkord des Flügels hörbar, nur der eine, süß aufschwirrende Schlag, als habe ein Vogel die Tasten gestreift, für Georg ein lieblich erstaunendes Zeichen des Augenblicks. Dann, abgelenkt, sah er durch die Wand Bennos lange Schattenfigur, wie sie sich auf die Tasten bückte: er mußte sie wohl doch einmal berühren, einen Ton hören, die Musik ein Wort sagen lassen zu seiner Inbrunst.

Cordelia aber hatte aufhorchend die Augen geöffnet.

„Was war das?“ flüsterte sie, und Georg gestand, es sei Besuch nebenan, ein Freund mit seiner Verlobten; ob sie erlaube, daß er ihnen eben Bescheid sage, sie seien eben schon im Begriffe zu gehn. Cordelia nickte nur stumm und machte sich los von ihm.

Die Tür öffnend scheuchte er das Brautpaar aus der Buchtung des Flügels und aus einer ganz ähnlichen Stellung wie die, in der Georg selber sich eben befand, was seine Betäubtheit rasch in angenehme Heiterkeit löste, also daß er, da das Mädchen ohnehin heimwärts drängte, mit leichtem Bedauern der verhinderten Fahrt sich entschuldigen konnte. Er brachte sie noch durch das gangartig lange und halbdunkle Billardzimmer auf den Flur und bis vor die Tür, winkte ihnen nach und dachte, mit den Augen an Bennos Rücken haftend: Seltsam doch, daß grade er so aus unsern Kreisen fallen mußte. Gedichte mach ich ja auch, aber der einzige Unsterbliche war doch immer er. Ach so, erinnerte er sich im Abwenden, die Götter trugen ja immer nach besonders irdischen Frauen Verlangen. Ja, sie war eine kleine Rubensschönheit, Danaë ... und —

Georg richtete sich lächelnd straff. Und Benno muß heiraten, muß — weil er das nicht fertigbringt was ich. Ah sie war wieder da! Gott sei gelobt, murmelte er vor sich hin, nun kommt die Erlösung erst von Cora! — Er schloß die Tür hinter sich.