Wie er aber leichtfüßig den Flur zurückeilte, wurde die Tür am Ende geöffnet, mit Vorsicht. Cordelias Antlitz erschien im Spalt, groß offenen, furchtsam spähenden Auges, und erschrocken bei seinem Anblick schlug sie den Türflügel wieder vor ihm zu, den er gleich darauf erreichte.

Als er dann drinnen stand, war sie an das Geländer zurückgewichen, hielt es mit den Händen neben sich gefaßt und ließ wie eine Schuldige den Kopf sinken. Sich überwindend, sie nicht feindlich anzusehn, versuchte er zu scherzen, ob sie ihm doch wieder habe entwischen wollen ...

Sie lächelte traurig und sah auf. „Es soll also wohl doch sein“, sagte sie leise. „Nein!“ sie drängte sich an ihn, „sieh mich nicht so an! frage nicht! ja, versprich mir das, schwören mußt du’s, Georg, hörst du, du mußt es schwören!“

„Ja, gewiß! gewiß doch! was denn?“

„Nie fragen, Georg! Nie, nie, niemals und nach nichts fragen! Ach,“ weinte sie plötzlich laut auf, „was willst du denn von mir? Ich weiß doch, daß du mich nicht liebst.“ Sie brach ab, ihn hart und verschlossen anblickend.

Georg vermochte nicht auszuweichen. Nicht lügen! dachte er nur, und seinen Augen es überlassend, sie zu bezwingen, sagte er klar und verständlich, wie er es meinte.

„Ich brauche dich.“

„Den Leib“, hauchte sie elend.

Was nun sagen? — Er küßte behutsam ihre Stirn, und damit schien er Glück gehabt zu haben, denn mit aufblühendem Lächeln unter seinem Kuß flüsterte sie:

„Und die arme Seele mit ... Meinst du, daß ich eine habe? — Ach laß nur“, wehrte sie matt und drückte die Augen an seine Schulter.