„Du kennst mich doch nun ein wenig,“ redete er, ihr Haar streichelnd, auf sie herab, „du weißt doch, wer ich bin!“ und hörte sie aufsagen leise, ohne den Kopf zu heben: „Prinz — Georg — Trassenberg.“

Dann, sehr liebevoll: „Mein Prinz!“ und Georg fuhr zurück wie gestochen. Er strauchelte auf den Stufen, erreichte mit Mühe aufrecht den Boden, seine Knie versagten, er tat noch zwei Schritte und stand, entsetzt, die Hände an den Schläfen.

Jetzt — da wars! Jetzt wars gekommen. Jetzt mußte — — mußte — was? — was? — Die Wahrheit gesagt werden oder — oder gelogen. Warum gelogen? Um die letzte Probe ... um zu sehn, ob es erträglich, möglich ...

„Was ist dir denn?“ hörte er sie aus weiter Ferne fragen, sah aber in der selben Sekunde dicht vor sich ihre besorgten Augen, die flackerten; ihr Gesicht, ihre weiße Gestalt, die dunklen Wände des Raums, der große, grüne Lampenumhang — alles flackerte auf und nieder wie aus gasigen Flammen, während er sie nur anstarren konnte und merkte, wie sie seine Hände ergriff und herabzog. Durch das Sausen in seinen Ohren hörte er sie etwas sagen, ohne zu verstehn.

Du Feigling! sagte dann eine Stimme, du willst es ja nur aufschieben!

„Nichts, Kind, nichts!“ brachte er endlich hervor. „Es war wohl mein Herz, — es ist nicht ganz in Ordnung. Laß nur, es geht schon wieder. Ja, wovon sprachen wir doch eben? Richtig, meinen Namen sagtest du ...“ Er irrte wieder ab. „Ja, und wie ist der deine?“ hörte er seine eigene Stimme fernher, erwachte dann und setzte beherrscht hinzu: „Oder darf ich das auch nicht fragen?“

„Cordelia Severin“, sagte sie leise. „Aber ist dir auch wirklich wieder gut? Komm, setz dich hin!“

Sie führten sich gegenseitig zu einem der Sessel in der Kaminecke, Georg fiel ermattet hinein und zog sie auf seine Knie. Sein Herz jagte in der Tat haltlos. Vielleicht war doch der Schluck Sekt schuld.

„Und was wird nun aus uns?“ konnte er indessen wieder scherzen. „Bleiben wir zusammen? Möchtest du hier wohnen? In einem Schloß?“ — Es stach wieder in seinem Herzen. Er verstand nicht recht, weshalb ihm so unendlich sanft und weich zumute war, und fuhr fort, ihr weiches Gesicht unablässig zu streicheln und zu glätten. Da sie nur nachdenklich vor sich hin lächelte, fragte er weiter: „Oder soll ich zu dir kommen?“

Nun schauderte sie leicht zusammen. „Nein! oh nein!“ stieß sie hervor.