„Welche Frage! Wenn ich Sie bringe. Er hat mich doch beauftragt.“

„Dann ists gut“, sagte sie fromm und bereit, nahm ein Paar langer Schwedenhandschuhe von der Tischdecke und streckte Renate die Hand hin, sich entschuldigend, daß sie gestört habe. Renate, innerlich schwach, äußerlich mit Nachdruck „Auf Wiedersehn!“ wünschend, bedauerte sehr, daß sie ging. Wie leicht ihr Gang war! —

Saint-Georges, der sie hinausgeleitete, blieb eine Weile aus; so benutzte sie die Gelegenheit, gleich auf ihren Quartettenplan zu stoßen und Sigurd zu fragen, ob er in ihr Haus zum Spielen kommen wollte. Allein Sigurd lehnte völlig ab. Das sei ganz ausgeschlossen, denn er könne nicht das geringste. Er sei ein Stümper, behauptete er, den Kopf gesenkt, mit den Füßen bemüht, den umgeschlagenen Rand eines grauen Läufers mit roter Kante zu glätten, der seiner Länge nach am Boden durch das Zimmer gespannt war.

Ablenkend fragte Renate zu dem Gelähmten hinüber, sein Bruder laufe beim Arbeiten wohl fleißig auf und ab, daß er diesen Läufer hergelegt habe? — Der Gelähmte lachte nur heiser zur Antwort, Sigurd aber bemerkte lächelnd, der Läufer sei doch seine Erfindung! Der Fußboden wäre ganz weiß abgelaufen darunter.

„Sie studieren Medizin?“

„Ja — leider“, erwiderte er mit tiefem Ernst.

„Warum sagen Sie leider?“

Ganz düster versetzte er: „Weil mir als Juden doch die besten Wege verlegt sind. Ich meine natürlich nicht,“ fuhr er hochmütig fort, „daß ich nicht ordentlicher Professor werden kann, sondern daß mir die technischen Hülfsmittel verschlossen bleiben, die mit solchen Stellen verbunden sind. Und ich bin solch ein kraftloser Mensch ...“

Renate, ganz unwirsch von soviel Erniedrigung, war froh, Saint-Georges wieder im Zimmer zu sehen, der lächelnd dastand, gegen Sigurd blickend, die Finger in den Westentaschen. Ernst werdend, sagte er dann zu Renate:

„Wir kamen früher schon überein, Sigurd und ich, daß alle Juden sollten umgebracht werden.“ Und schon rief Sigurd erzürnt: