Georg, sich umdrehend beim Schreiben, sah sie auf der weichen Sessellehne sitzen und mit runden Augen nach allen Seiten spähn.
„Nicht so schön halt wie die“, plapperte sie weiter, nach der Bücherwand nickend. „Aber ein Schlafzimmer hats, das wird dich freun. Da stehts Bett im Alkoven, der hat — so ein Fuß grad überm Bett — ein ganz schönes, breites, großes Fenster. Wenn man da naus schaut, — ja, das glaubst net, Gorch, da hast vor dir das ganze Land, alle Wiesen und Weiden und die blauen Wälder hinten und Dörfeln — ah — viele! Schlafen kannst da mitten im Frein, und unterm Fenster — da ist der Garten, und der Teich, und eine ganze Wüstn von floribus“, schloß sie plötzlich mit hörbarem Punkt. Georg sprang auf, warf sie fast in den Sessel hinunter und erstickte sie mit Küssen.
„Und Hesekiel! Georg, laß los, ich ersticke ja!“ keuchte sie, „und Hesekiel, darf ich den aach kaufn?“
„Was du willst, Liebling, was du willst! Aber wer ist denn Hesekiel?“ — Er hielt sie wieder auf den Knien und ließ sich kleine Küsse von ihr geben, während sie erzählte:
„Hesekiel — das ist ein — orms Luder. Ein bißchen dumm ist er schon, weißt! so ein — Idiot oder — — wie? Er vergißt halt alles. Nur eins, ein einziges, das kann er grad behalten. Und er hat ein’ Buckel und ein ganz spitzes, altes Gesicht und einen wehmütigen kleinen Mund. Oh Hesekiel ist ein lieber Kerl, der wird dir gfalln. Nun ist er — was die Bälle aufklaubt bei die Tennisleut. A so a olter Mensch und klaubt Bäll auf. Verheirat is er net. Gell, den nehm mir? Den nehm mir zu uns?“
Georgs Herz jubelte vor Entzücken. Oh Benno, was habe ich und was du! — Sogar die Erscheinung Renates ging schmerzlos vorüber. Ich werde lebendig sein, ganz lebendig, arbeiten können, gesund sein, und das andre — alles andre wird sich finden, sich finden.
Viertes Kapitel: Mai
Haus Herzbruch
Renate schrieb in ihrem Zimmer am späten Abend:
„Hellwach wie ich bin, will ich gleich suchen, Einiges von diesem Abend festzuhalten.