„Zuerst“, sagte Saint-Georges, „muß ich um Entschuldigung bitten wegen der Besucher. Allerdings kam nur Cornelia unerwartet; Sigurd ließ ich selber holen, einesteils damit er helfe, andernteils weil er Ihnen auf diese Weise am einfachsten gegenübergestellt wurde, denn in Ihr Haus hätte ich ihn schwerlich bekommen. Wie gefällt er Ihnen?“

„Sehr gut, Georges! Aber wie ist er sonderbar! Und von Ihrem Läufer sagte er, er hätte ihn hingelegt. Und warum holt er immer Bücher heraus und —“

„Das ist wieder ganz Sigurd“, lachte er. „Unseren alten Läufer, Jürgen,“ rief er zu seinem Bruder hinüber, „den schon mein Vater abzulaufen angefangen hat, den hat er hingelegt!“

„Ja, lügt er denn?“

„O niemals, Renate! Er ist nur immer gleich so bei jeder Sache, daß es ihm scheint, sie stamme von ihm her. Er ist ganz wundervoll. Wenn man ein Mensch ist, der Pläne hat, Aussichten in die Zukunft, kann man keine bessere Stütze finden als ihn. Was man ihm sagt — Dinge, die einem selber vielleicht noch unklar sind —, davon läßt er sich mit seinem guten Herzen und hellem Geist augenblicks dergestalt durchflammen, als wär es sein Eigentum, als habe er nichts getan, als eben diese Sache von Grund aus zu treiben, und kommt man drei Tage später und sagt: Sigurd, das war alles Unsinn, was ich neulich geredet habe, die Sache sieht vielmehr so aus, dann ist er wieder völlig derselben Meinung, gänzlich als habe er das erstemal keine andere als die zweite Meinung verfochten. Ja, schlüpfrig ist er schon, fassen läßt er sich nirgend, aber welches Juwel! Sein ganzes Dasein scheint nur darauf gestellt, Andern zu helfen. — Ja, was ist denn?“ brach er ab, trat ans Fenster und öffnete, indem er sagte: „Es hat gepfiffen.“

Sich hinauslehnend, bemerkte er zurück: „Es ist Esther!“ Renate hörte ihn dann nach draußen sprechen und lachen, ohne die Worte zu verstehen. Dann schloß er das Fenster wieder, lächelte hocherfreut und sagte:

„Da haben wir ihn wieder. Esther sagt: vor ihrer Haustür — sie wohnen gleich hinter der Ecke — habe Sigurd erklärt, er hätte noch eine Postkarte zu schreiben. Sie habe dann gewartet, er aber kam nicht, und wie sie endlich zu ihm ins Zimmer geht, sitzt er und liest, und dann schmollt er und behauptet, wir hätten Alle gesagt, er wäre ein Trottel.“

„Was?“

„Nämlich, weil wir gesagt haben, er müßte Bibliothekar werden, denn alle Bibliothekare wären Trottel und ergo — — ja, das ist Sigurd! Ein eirundes Kind mit einem Goldfasan innen!“

„Ich glaube, Georges, zum Arbeiten kommen wir heut doch nicht. Da erzählen Sie lieber noch von ihm!“