Als sie zusammen in den Saal zurückkehrten, stand der Doktor Birnbaum neben dem Herzog, an seiner Zigarre wickelnd, den Kopf gesenkt; der Herzog hielt den seinen in der linken Hand, die er auf das Knie gestützt hatte. Plötzlich machte der Doktor einen kleinen Ruck von Verbeugung und schlich leise hinaus. Magda hatte sich von Renate losgelöst, stand einen Augenblick frei im Raum, schien zu schwanken, aber dann ließ sie die Hände fallen und ging eilig zur Tür und verschwand. Renate blieb stehn, schaudernd vor Ratlosigkeit. Der Sturm wühlte heftiger um das Gebäude; am ganzen Haus schienen klappernde Dinge locker zu sein, die sich losreißen wollten. Auf einmal schlug irgendwo in der Tiefe eine ferne Tür laut hallend zu. Der Herzog ließ die Hand sinken, richtete sich auf und sah Renate in seiner Nähe. Augenblicks mußte er lächeln, und sie sah deutlich den Ausdruck eines Menschen, der leidet und dem ein Andrer eine schöne Sache hingeschoben hat, über die er sich freuen muß, — aber dies erlosch, er senkte langsam den Kopf und sagte, scheinbar aus früheren Gedanken und sehr verzweifelt: „Wissen Sie denn vielleicht einen Spruch?“ — Sie erschrak.

Aber sie dachte nicht weiter, suchte umher, aber nun war sie durch die Verse vorhin an Hölderlin gefesselt, ihr fiel ein: ‚Wie so selig doch auch mitten im Leide mir ist‘, und das sinnlose Wort ließ sich lange nicht abschütteln, bis sie endlich wieder jenes erste erhaschen konnte, und im dunklen Gefühl, daß es irgendeinen Sinn habe, sagte sie leise das Ganze auf:

„Heilig Wesen! gestört hab ich die goldene

Götterruhe dir oft, und der geheimeren

Tieferen Schmerzen des Lebens

Hast du manche gelernt von mir.

O vergiß es, vergieb! gleich dem Gewölke dort

Vor dem friedlichen Mond, geh ich dahin, und du

Ruhst und glänzest in deiner

Schöne wieder, du süßes Licht!“