„Zum — — In—ten—danten?“ sagte sie vergehend. Ihm schmolz das Herz in der Brust. Mein Gott, warum hatte sie denn nur geschwiegen, immer geschwiegen!
Da merkte er, daß sie weinte. Und dann war sie auch schon in ein Schluchzen ausgebrochen, daß ihm das Herz stillstand vor Grauen. Sie schüttelte sich minutenlang wie ein rasendes Tier, dann brüllte es aus ihr heraus, sie fiel vornüber so schwer, daß sie ihn mitriß, er mußte knien, um sie zu halten, sie lag halb am Boden, er richtete sie auf, sie wimmerte, er sah ihr Gesicht, aus den geschlossenen Lidern schossen stromweis die Tränen, während der Mund sich verzerrte, und sie fiel wieder um, er richtete sie mit Mühe auf, sie fiel ihm über den andern Arm, lag am Boden, schluchzte, schluchzte, schluchzte, sie schüttete Schmerz aus, wimmernd aus keuchender Brust, als würden eiserne Stücke in ihr zerbrochen, und es nahm kein Ende.
Georg konnte nur noch neben ihr sitzen und ihre Hand festhalten, selber wie erfroren vor Mitgefühl, bis der Ausbruch langsam zu erlöschen begann, das Weinen leiser wurde, das furchtbare Zittern aufhörte; bis er es dann wagte, sie aufzurichten und zum Sofa zu führen, wo sie sich hinbetten ließ und dann still wurde. Er trocknete ihr geschwollenes Gesicht, die immer noch fließenden Augen mit seinem Tuch, doch nahm sie es nun fort, schob sich ein wenig höher in den Kissen, öffnete die Augen und sah ihn an. Ihren Blick — dunkel, kaum sichtbar im Dunkeln, da sein Schatten noch über ihr lag — verstand er nicht, auch schloß sie die Lider bald, lag still und sagte leise:
„Weißt du, Georg — wir wollen noch ein wenig warten ...“
„Ach, nun wieder warten!“
„Ja, Georg. Sieh mal: — — es ist doch nun alles anders geworden, als ich dachte. Ich muß mich ja nun ganz — herumdrehn. Ich — ich möchte aber nicht, daß du in — in dies hineingerätst, was ich jetzt bin.“ Sie sah ihn nun wieder an und schien zu lächeln. „Sein Stolz hat halt a jeds. Ich möcht auch schon net hier bleiben, wenns einmal anders werden soll. Da mach ich erst hier ein End, und dann — in Berlin — da bin ich ganz frei, da hast mich dann ganz für dich und kannst mit mir machen. Möchtst das net? Georg?“
Georg wand sich und war gar nicht einverstanden.
„Na, Georg, du mußt das doch einsehn! I kann doch net so auf einmal! Sagn mir halt: Berlin. Is recht, Georg?“
Georg gab nach für den Augenblick. Es ist ja noch ein Monat Zeit, einerseits — und vielleicht hat sie ja auch recht. Wenn schon überhaupt anfangen, dann ganz oben, dachte er, küßte sie dann zärtlich und ließ sich von ihr das Haar glätten.
„Aber Cordelia,“ mußte er nun gestehn, „was kannst du alles! Es ist ja unerhört!“