„Ich kann schon was“, meinte sie mütterlich. „Und dann für dich ...“
„Wie du nur dastandest! Hast du wirklich die ganze Zeit mit geschlossenen Füßen gestanden? Alles mit den Armen gemacht und mit der Stimme? Kind, was hast du für eine Stimme!“
Sie lächelte sanft, schloß die Augen, seufzte und streckte sich aus.
„So ist gut, Georg. So liegen ist gut. Und nimmer viel reden, weißt! Ich ruh mich ein wenig. Wir haben ja noch die ganze Nacht.“
Die ganze Nacht ... Er deckte sie sorgfältig mit dem Mantel zu bis ans Kinn, tastete nach ihrer Hand darunter und hielt sie. Ein wenig wandte sich ihr Gesicht herüber. Sie lag still. Und so saß er bei ihr, glücklich, dankbar, gut sein zu dürfen, hülfreich. Der Herbstregen schlug schwer gegen die Scheiben. Er hörte den Gang der Pendeluhr durch das Geräusch der Wassers, langsam, seelenruhig, und sein Innres ebnete sich, hinschwellend durch die immer sanftere Stunde, der verhangenen Ebene gleich, zu den zaubrischen Wäldern der Zukunft.
Wiederkunft
Renate, mit Saint-Georges und Magda, die vor ihrer Rückkehr nach Berlin noch einige Zeit bei ihr bleiben wollte, aus Helenenruh heimgekehrt, suchte ihr Zimmer auf, um sich umzukleiden.
Die Fenster im Wohnzimmer standen weit offen; es war wie im Freien, der Septembernachmittag drinnen wie draußen leicht, bläulich und durchgoldet. Auf ihrem Schreibtisch fand Renate eine kleine Druckschrift — Feruccio Busoni: Entwurf einer neuen Ästhetik der Tonkunst — aus der ein kleiner Zettel fiel; von Ulrikas Hand stand darauf gekritzelt: Ich bin in der Kapelle. Bogner sitzt im Garten.
Das Mädchen trug mit dem Chauffeur Koffer und Hutschachteln herein. Renate legte Jacke und Hut ab, auf einmal ein wenig wehmütig, ohne erkennen zu können, weshalb. Ob es schon die Luft des Hauses war, die sie wieder bedrängte? — Sie trat ans Fenster und vergaß für Augenblicke die trübe Wallung über dem Anblick weißer, goldiger Wolkenstreifen im Blau über den noch schweren und dichtgrünen Massen der Gartenbäume.
Und siehe da: Bogner saß — natürlich drehte er ihr den Rücken zu! — auf einem Feldstühlchen vor einem roten Busch, ein großes Skizzenbuch auf den Knien, aber die rechte Hand, die Renate sichtbar war, lag völlig still; er betrachtete nur.