Viele Menschen kommen herein und stehn um einen Schläfer in friedlichem Schlaf. Da kommt auch die arme Seele mit ihrer Blume und ihrem Dank. Sie hatte einmal die Hände voll Gold — es ist alle geworden. Nun legt sie die kleine Blume auf die erstorbene Brust, ihr Amt ist nun aus, sie wandert ins Meer und vergeht. Wo bist Du, Geliebter?

Gute Nacht, schlafe wohl! Es muß wohl sein. In meiner Brust sitzt eine goldene Schlange, die will seit ewig hinaus, aus der himmlischen Schale zu trinken. Gott ist allzeit gut.

Ich liebe Dich, Geliebter, auch dort, wo Du mich nicht mehr siehst. Das Blatt ist aus, aus ist das Licht, aus ist das Leben. Geküßt tausendmal! Abschied — ich kann nicht mehr — alles gut.

Cordelia.“

Georgs Kopf sank langsam vornüber auf das Blatt und lag fest. Als die Umnachtung wieder gewichen war, sprang er auf, riß alle Kraft, die zu erreichen war, zusammen in das Jagen seines Herzens, sah Hesekiel stehn und sagte: „Weißt du, was geschehen ist, Hesekiel?“

„Is ein Unglück geschehn, Herr Doktor?“

„Es — es scheint so, Hesekiel. Sage mir jetzt — kannst du mirs genau sagen: warst du allein im Haus, als du gingst?“

„War ganz allein, Herr Doktor, sell kann i —“

„Wann bekamst du diesen Brief?“

„Gestern abend, Herr Doktor. Gnä Frau gab ihn mir. Gestern abend wars, so um halber acht herum.“