Gage liegt auf den Straßen reichlich genug zum Aufheben. Die arme Seele will die Gage von der Straße nicht, sie wartet, sie hat ja Geduld, sie steht Tag für Tag im häßlichen Zimmer und lernt, für später, die Sonne brennt, sie vertausendfacht ihre Kraft in tausend Gestalten, Alle haben die Sonne in der Brust, sie sehnt sich, sie lernt, sie lernt, sie hungert, sie weint längst nicht mehr ...
Ach, kann man das schreiben? Es war ja nicht so, es war ja alles ganz anders. War die Welt etwa schlecht? Warfen sie sich Alle über die eine arme Seele her und wollten sie zerdrücken? Die Welt ist nicht schlecht, die Menschen sinds nicht, es will, sagt der kluge Georg, ein jeder nur das Seine und will sich nicht hindern lassen dabei, aber — die arme Seele hatte kein Glück.
Kein Glück? Es sind Jahre geworden, aber nun ist das Glück da, der Tag ist da, der — Tag ist. Eine Rolle ist da, und alles geht sehr schnell, eine Aushilfe, der Direktor zuckt die Achseln, aber man kann ja die Rolle, im Schlaf kann man sie, und man spielt, und die Sonne brennt und strömt aus Augen und Kehle, aus den Gliedern und dann — am Morgen nach dem glückseligen Abend, wo sie Alle ihr um den Hals fielen, der armen Seele, und sie küßten und weinten, und sie kaum schlief vor Trunkenheit — was steht in den Zeitungen der kleinen Stadt? O welche Empörung! War das nicht Babel? War das nicht abscheuliche Realistik? (Und war doch nur Stil gewesen, nur Stil, so dumm ist die kleine Stadt!) Die Welt war nicht gut am Morgen, die Menschen hatten alles vergessen, was die arme Seele für unvergeßlich gehalten, in den Zeitungen stand, daß man es vergessen müßte, der Direktor war ja nicht unfreundlich, es tat ihm leid, aber — Sie sehen, Severin, Sie sind nicht für hier ...
Aber die Sonne, ein Widerglanz ganz klein saß er doch in einer Zeitungsspalte, ein Keim, der aufging, und da war man in einer andern Stadt und spielte sich aus, das Glück war da, die Sonne brannte, brannte sehr schön im klassischen Stück. Aber im klassischen Stück war das Parkett leer, im Salonstück saßen die Offiziere und Damen, — die Toiletten der Severin waren unmöglich, und waren doch so schön, wie die größere Gage erlaubte, die Sonne brannte ...
Warens schon viele Jahre?
O der wahn—witzige Durst! O die wütende Sehnsucht! O die Verzweiflung! All die vergebene Arbeit und Müh! Man ging wieder spazieren. O brennende Nächte, Fleiß, Fleiß, Fleiß, und Darben, die arme Seele wurde mager und häßlich, was schadete das, sie wartete auf den Tag, sie hatte keine Sorge mehr um Hunger, um Scham und Verzweiflung, wenn eine Rolle kam und ihr wurde ein Hemd angezogen, das reichte kaum zu den Knien, und die Stimme des alten Feindes sagte: Sie müssen wohl selber sagen, Severin, mit den Beinen ... Tage und Nächte. Alle Bücher gelesen, alle Rollen studiert, alle Werke, Geschichte, Kostümkunde, Biographien, die Sonne brannte, ein Morgen kam, grau, grau, sie war allein, kein Licht mehr.
Schon viele Jahre ...
Da kam ein Mensch. O zart, o schön und ganz sanft wie ein Engel. Sein Blick durchbohrte die arme Seele, er war rein. Verkündigung, dachte sie, o Engel, bist du’s? Ein Dichter, er hatte ein Stück geschrieben, Theodosis, das wurde aufgeführt, die arme Seele sollte spielen, sollte sagen:
Ich wollte ihnen dienen. O in Schauern
Sollten sie stehn und horchen: Hört, es klingt