Indem wurde der Wagenschlag aufgerissen. „Wollt ihr zulassen!“ schrie der Herzog, zog die Tür am Riemen zurück, klappte und riegelte sie zu. „Hundsfötter!“ murmelte er und setzte seinen Hut auf, einen großen alten Schlapphut, aber er sprach nicht weiter. Nach einer Weile sagte er leise:
„Helene — ja, nun fehlt uns Helene. Wenn ich die Regierung übernehme, so ist die Heirat damit ja immer nur aufgeschoben; der Hofkammerrat weiß, daß ich nur Fisematenten mache und in einem halben oder ganzen Jahr zu Georgs Gunsten verzichte. Also muß ich Sigune ... sie hat die harte Stirn der Zinnas; wenn ich sie herumkriege, so bleibt sie mir sicher, aber wie ich das mache ...?“ Er seufzte.
„Lieber Freund,“ sagte Renate, „und wie wäre es denn nun eigentlich, wenn Sie alle Beide verzichteten?“
„Wer?“
„Sie und Georg.“
„Nicht um die Welt“, sagte der Herzog. „Die Jesuiten kommen ins Land.“
„Können Sie sich nicht wehren?“
„Erstens gegen Jesuiten!“ murrte er unwirsch, „und außerdem habe ich Besseres zu tun. In einem Kriege kann Wunderbares an Kraft und Taten geleistet werden, aber ich wäre ja ein Hundsfott, wenn ich nicht den Krieg vermiede, um eben dies Wunderbare für meinen Frieden zu gebrauchen.“
Renate, hartnäckig zu ihrem eignen Erstaunen, bohrte tiefer: „Sie denken an Ihr Land und vergessen Ihren Sohn. Wie sehr väterlich glauben Sie, daß dies gedacht ist?“
Der Herzog blickte sie grade und schwer an. „Mir,“ sagte Renate beinah spöttisch, „— mir scheint es nun doch, als ob die beiden Augen Ihrer Weissagung — mich jetzt ansehn.“