„Wein oder Bier?“ sagte Irene.

„Danke, keins von beiden, ich —“

„Denn nicht“, sagte Irene und ging hinaus. Klemens sprang auf, lief zur Tür, machte sie auf und rief: „Ich trinke nur Wasser, Rebekka, klares, biblisches Brunnenwasser!“ und lachte.

Herzbruch, wider Willen mitlachend, sagte: „Sie heißt nicht Rebekka“, worauf Klemens meinte, sie schiene ihn jedenfalls für ein Dromedar zu halten. Dabei sah er den Wagenlenker in der Ecke, ging daraufzu, faßte ihn ins Auge und sagte: „Ah! — Das ist schön! Wer ist das?“

Jason, in der Vorhangtür neben ihm, erklärte, es sei der sogenannte delphische Wagenlenker. Klemens ließ ihn nicht ausreden und beklagte den fehlenden Arm. Aber man könnte doch sehn, wie die Zügelriemen aus den Händen flössen! Und dieser achtsame, unbeeinflußbare Blick, dieser pfeifende Mund! Über das Klavier gebeugt, spähte er nach den Füßen und pfiff durch die Zähne.

„Wetter noch mal,“ sagte er, „wie die Füße dastehn! aufgesetzt, festgesaugt, und der Faltenfall des Rocks, dieser Reichtum, wie das niedergießt! Er hat ja Lorbeern im Gehirn. Ja, der weiß, was es heißt, dastehn im Tumult der Begeisterten, im Toben, im Gelächter, das sich überschlägt, und tausend winkende Hände, Kopftücher, Zweige, Tumult ... In Marseille,“ sagte er zu Herzbruch hinüber, „weißt du noch? Jean Jaurès, der hatte sie so an den Händen, mehr als zwei glatte Gäule, zehntausend, zehntausend Köpfe, zehntausend Herzen, aus seinem Herzen gelenkt, daß sie schreien mußten, atemlos und lachend vor Erschöpftheit ...“

Renate hatte schon vor einer Weile Dora Vehm in der Tür erscheinen sehn und hörte nun ihre helle Stimme — wie heiß und schwarz doch ihre Augen waren und das ganze dunkle Gesicht leuchtend durch und durch von Leben und Seele! —: „Aber Klemens, das können Sie doch auch! Wissen Sie nicht mehr: Jena ...?“

Klemens drehte sich um, streckte die Hand nach ihr aus und freute sich: „Dora Vehm,“ sagte er, „alter Kamrad, was macht denn die Küche?“

Jason trat leise neben ihn, klopfte ihn auf die Schulter und sagte: „Sie! Ich bin auch ein Redner. Ich könnte auch eine Rede halten, aber Irene hat heut abend keinen Sinn mehr dafür.“

Irene stand mit einem Glas Wasser auf einem Teller, das sie augenscheinlich Jason an den Kopf werfen wollte. Der fuhr indessen fort: