Es ist ja nicht das, lief das Rad in ihm weiter, nicht diese Eselei, wieder im Korps zu sein, und auch nicht der Alkohol. Es ist einfach die Angst, weil du nicht weißt, was werden soll. Dies ist nun der dritte Versuch. Erst sollte die Natur Klarheit schaffen; dachte natürlich nicht daran. Außerdem Benno, — nun das war wohl nur ein halbes Viertel von einem Versuch. Nun die Menschen, auf die es ja schließlich ankommt, und da merke ich nun die verfluchte Verzauberung der Relativität. Renate, schönes Licht! dachte er seufzend, aber sein Feuerzeug war wohl naß geworden, das Licht glomm nicht auf, es wurde nur dunkler umher. Woran soll ich mich denn messen, wenn alles relativ ist und ich nicht aus mir heraussteigen kann! Bin ich denn ein Lügner? Ich spiegle den Menschen etwas vor, das ich nicht bin. Schade ich damit? Bin ich nicht bereit zu allem Besten? Zahle ich nicht mit Qual? Irgend jemand sagt mir, ich sei nicht der Sohn meines Vaters, und da soll ich miteins andere Gefühle bekommen? Wie kann ich zwanzig Jahre auslöschen wie ein Talglicht? Darauf aber kommt es an, auf das Innere, und alles andre — — ich weiß nicht, sitzt da jetzt einer neben mir oder nicht?

Er wandte langsam und vorsichtig den Kopf. Ja, neben ihm saß ein Mensch, den Kopf in den Händen; schien übers Wasser hin zu sehn. Das war ja ... Georg wandte sich, beugte sich vor, sah das Profil des Dasitzenden und sagte erleichtert: „Guten Abend, Herr Birnbaum!“

Der Angeredete wandte sich um und stand hastig auf.

„Entschuldigen Sie, Prinz,“ sagte er mit mehreren Verbeugungen, „ich hatte Sie nicht erkannt. Und diese Bank“, setzte er hinzu, „ist gewissermaßen mein Eigentum, meines und meiner Schwester, wir sitzen oft darauf.“

„Aber so setzen Sie sich doch, alter Freund, und erzählen Sie! Vor zwei Jahren haben Sie Examen gemacht, oder erst vor einem? Habe ich Sie nicht im Syndikatskolleg gesehn?“

Birnbaum bejahte, sagte aber, daß er Mediziner sei.

„Daß Sie’s gleich hören, Georg: meine Mutter ist vergangene Nacht gestorben“, sagte er kurz. „Nein, sagen Sie nichts, es ist nichts zu sagen,“ fuhr er heftig fort, „sie war ja kein richtiger Mensch mehr, jahrelang schon, wir hatten uns, wenn ich so sagen darf, ihrer schon längst entwöhnt.“

Georg dachte an Bennos Mutter, fragte, ob sie denn krank gewesen sei, und bekam zur Antwort:

„Ja, geisteskrank, sechs, sieben Jahre.“

Sie saßen still beieinander. Georg suchte den verwirrten schwarzen Himmel ab — war dort nicht ein Stern? — Nacht stand um den Teich; nichts regte sich darin.